Review: A Silent Voice – Eine leise Stimme gegen Mobbing

   Montag, 2. April 2018   , ,
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Mit A Silent Voice bringt der Publisher Kazé Anime einen der beliebtesten und erfolgreichsten Anime-Filme des Jahres 2016 auf die heimischen Bildschirme. Der Film feierte am 17. September 2016 seinen Kinostart in Japan und war letztes Jahr am 26. September auch in den hiesigen Kinos im Rahmen der Anime Nights zu sehen.

Produziert wurde der Streifen vom renommierten Studio Kyoto Animation (Clannad, Nichijou) unter der Regie von Naoko Yamada (K-On!). Als Vorlage für die Adaption diente der gleichnamige Manga von Yoshitoki Ooima (Zeichnungen Mardock Scramble). Die Vorlage erscheint hierzulande bei Egmont Manga.

Der Home-Release des Werkes erfolgte am 16. März 2018 auf DVD und Blu-Ray in einer Standard- und Deluxe-Edition.

Ob der Film seinem Erfolg gerecht wird und ob sich ein Kauf lohnt, das erfahrt ihr in der folgenden Review!


Handlung

Ein Handycap. Eine Sache, in der man einfach nicht so gut ist, wie andere. Etwas an dessen Ausprägung man nicht zwangsläufig selbst Schuld ist oder das man durch großes Pech erlangt hat.

Ähnlich geht es der Protagonistin der Geschichte, die den Namen Shoko Nishimiya trägt. Einziger Unterschied ist, dass ihr Handycap sie deutlich mehr einschränkt als eine bloße Schwäche, die man verbergen kann, denn sie kann nicht hören. Sie ist taub.

Als sie auf eine neue Grundschule wechselt begegnet sie trotz ihres Handycaps ihren Mitschülern mit einer ehrlichen Freundlichkeit und ihrer positiven Energie, die zu Beginn auch zurück zu hallen scheint. Doch nach kurzer Zeit ist dem nicht mehr so. Nach anfänglicher Freundlichkeit, erfährt sie am eigenen Leibe wie es ist von anderen wegen der eigenen Gehörlosigkeit malträtiert zu werden. Ganz vorne mit dabei ist Shoya Ishida, der nichts unversucht lässt, um Shoko ihr Leben schwer zu machen – mit Erfolg. Sein Zuwirken und der Beistand seiner Klassenkameraden, sei es aktiv bei seinen Mobbing-Attacken oder passiv durch das stetige Schweigen, führen dazu, dass Shoko die Schule verlässt.

Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. So rächen sich Shoya´s Taten, als er alleine für die Mobbing-Attacken an Shoko verantwortlich gemacht wird und selbst ins Visier der nicht gerade unschuldigen Bullys seiner Klasse gerät. Auch erfährt er, welch großes Echo seine Taten für Shoko und ihre Familie auslösten.

Selbst Jahre später als Jugendlicher kann Shoya nicht von seiner Vergangenheit loslassen und versucht seit seiner Grundschulzeit sich von seinem Umfeld zu isolieren sowie allen Ärger zu vermeiden. Dennoch möchte er, geplagt von Schuldgefühlen, nichts unversucht lassen, um sein Verhalten gegenüber Shoko zu entschuldigen. Plötzlich eröffnet sich ihm die Chance die Wogen seiner Vergangenheit zu glätten, als er Shoko zufällig wieder begegnet. Wird Jahre später die erneute Begegnung der beiden die verwundeten Seelen tatsächlich heilen können?


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Regisseurin Naoko Yamada gelingt es wahrlich großartig die komplexe und vielschichtige Handlung aus Yoshitoki Oima´s Manga ins Medium Anime zu transportieren. Mit viel Behutsamkeit und Feingefühl schafft sie es die verschiedenen Facetten auch im bewegten Bild zu präsentieren. Von vorne bis hinten wirkt die Adaption stimmig.

Der Handlung gelingt es insbesondere das Thema Mobbing mit einer enormen Objektivität und fortlaufenden Stringenz zu präsentieren. Dabei unterlässt man es jedoch stets eine klare Linie zwischen Täter und Opfer zu ziehen und für eine der Seiten Partei zu ergreifen. Das führt dazu, dass man als Zuschauer beginnt selbst zu überdenken, wer eigentlich die wahren Schuldigen sind. Man wird vielmehr mit der psychologischen Rechtfertigung für die Taten konfrontiert. So wird unter anderem das Thema Suizid ebenso im Film behandelt.

Insgesamt wird A Silent Voice bis zum Ende hin nie langweilig oder gar monoton durch ein variables, aber stets passendes Pacing, das genau zur richtigen Zeit an Fahrt gewinnt oder auch etwas langsamer wird. Man erfährt trotz der kurzen Laufzeit sehr viel über die Handlung und kann mit dieser mitfiebern.


Charaktere

 

Ehemalige Grundschulklasse

 

Shouya Ishida A Silent Voice

Shouya Ishida

Shouya ist der Protagonist der Geschichte. In der Grundschule hat er Shouko zusammen mit seinen Mitschülern gemobbt, bis sie deswegen die Schule wechselte. Nachdem er alleine für den Schulwechsel verantwortlich gemacht wurde und seine Freunde verlor, begann er sich von seiner Umwelt zu isolieren. Auch als Jugendlicher kann er die Schuld für seine Taten in der Grundschule nicht umgehen, was ihn sogar zu Suizidversuchen leitet.

 

 

 


Shouko NIshimiya A Silent Voice

Shouko Nishimiya

Als gehörloses Mädchen hat sie es vor allem in der Grundschule nicht leicht gehabt. Doch trotz der unzähligen Mobbing-Attacken schafft sie es ihren Schmerz zu verdrängen und immer mit einem Lächeln im Gesicht durch den Tag zu schreiten.

 

 

 

 


Naoka Ueno A Silent Voice

Naoka Ueno

Als Teil der Grundschulklasse von Shouko war sie insbesondere als nahe Freundin von Shouya überaus aktiv am Mobbing von Shouko beteiligt. Nach der Grundschule trennen sich die Wege zwischen ihr und Shouya jedoch, bis sie sich eines Tages zufällig wiedertreffen…

 

 

 

 


Miyoko Sahara A Silent Voice

Miyoko Sahara

In Shouko´s schwerer Zeit der Grundschule war sie die einzige, die immer zu ihr stand. Sie lernte sogar die Gebärdensprache, um mit ihr besser zu kommunizieren. Aus diesem Grund wurde sie jedoch auch selbst zum Opfer des Mobbings und verschwindet deshalb bereits vor Shouko aus der Klasse. Später, nach dem Zeitsprung, versucht sie dann wieder Kontakt aufzunehmen.

 

 

 


Miki Kawai A Silent Voice

Miki Kawai

Als Klassensprecherin der Grundschulklasse war sie sehr angesehen und beliebt unter den Schülern. Doch trotz ihrer Position griff sie nicht ein beim Mobbing gegen Shouko und wurde zum Mitläufer. Sie besitzt zudem narzisstische Charaktereigenschaften und steht daher gerne selbst im Mittelpunkt.

 

 

 

 


 

Neue Charaktere

 

Tomohiro Nagatsuka A Silent Voice

Tomohiro Nagatsuka

Als Jugendlicher isolierte sich Shouya nach wie vor von seinen Mitschülern. Tomohiro ist der erste, der aktiv auf ihn zugeht und sogar sein „bester Freund“ sein möchte. Außerdem baut er schnell Vertrauen zu Shouya auf und möchte ihn so oft es geht für sich beanspruchen.

 

 

 

 


Satoshi Mashiba A Silent Voice

Satoshi Mashiba

Satoshi wird eines Tages von Miki zur Gruppe mitgebracht. Über ihn erfährt man im Film nicht allzu viel, jedoch hängen Miki und er sehr oft aneinander.

 

 

 

 

 

 


Die Charaktere sind eine wirklich große Stärke von A Silent Voice. Sie sind trotz der kurzen Filmlänge hervorragend ausgearbeitet und wirken wie echte Menschen. Das liegt mitunter daran, dass ihre Person nicht, wie so häufig, auf eine Charaktereigenschaft begrenzt wird, sondern sie sowohl Stärken als auch Schwächen besitzen und nicht alles richtig oder falsch machen.

Besonders sticht im Film der Protagonist Shouya heraus, der vom Kind zum Jugendlichen eine starke Charakterentwicklung durchlebt und sich sehr dynamisch anfühlt. Seine Probleme und Motivation sind stets hervorragend nachvollziehbar und man fühlt sich mit ihm als Charakter verbunden, obwohl er viele schlimme Dinge verbrochen hat.


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Animation

Wem das Studio Kyoto Animation ein Begriff ist, der weiß, dass die Messlatte im puncto Animation bei dem Studio sehr hoch liegt. Von K-On! bis hin zu aktuellen Titeln wie Violet Evergarden gelingt es den Verantwortlichen nicht nur konstant eine hohe Qualität abzuliefern, sondern sich auch mit jeder Produktion immer weiter zu verbessern.

Demnach ist es natürlich kein Wunder, dass auch A Silent Voice absolut traumhaft anzusehen. Die Charakterdesigns weisen die Kyoto Animation typische Moe-Ästhetik auf und fügen sich sehr gut in die traumhaft detaillierten Hintergründe ein. Doch das war es bei weitem noch nicht, denn insbesondere die Charakteranimation ist fast schon unvergleichbar gut gelungen. Neben der absolut flüssigen Darstellung geht die Ausdrucksstärke sogar so weit, dass jede der Figuren sogar eine eigene Art zu gehen besitzt, die absolut zu ihrem Charakter passt. Das harmoniert insbesondere mit der sehr gelungenen Charakterisierung und setzt diese so auch visuell gekonnt um. Zudem wird der Bouqet-Effekt hier sehr gekonnt eingesetzt, um den Szenen einen stilisierten Feinschliff zu verpassen.

Doch auch fernab von den technischen Aspekten kann A Silent Voice absolut glänzen. Der gekonnte Einsatz von Blumensymbolismus birgt versteckte Botschaften für die Interessierten und auch die Shot-Composition und das Framing sind großartig gestaltet und geben dem Film den richtigen Kino-Look. Außerdem wird die Prämisse des Films, vor allem die Isolation von Shouya brilliant im Film visuell adaptiert. So werden alle Personen, um Shouya herum, von denen er sich isoliert mit einem Kreuz in ihrem Gesicht markiert. Sobald er zu den Personen jedoch Vertrauen aufbaut, beginnt sich das metaphorische Kreuz langsam wie ein Aufkleber abzulösen, bis es schließlich verschwindet. Diese Technik hilft ungemein die Weltanschauung von Shouya zu vermitteln.


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Somit lässt sich insgesamt sagen, dass die Animation in A Silent Voice ein nahezu makelloses Gesamtpaket und wohl mit eines der besten, wenn nicht sogar das beste Ergebnis von Kyoto Animation in dieser Kategorie ist. Nicht nur aus technischer Sicht kann diese überzeugen, sondern sie wurde auch mit sehr viel Bedacht und Stil umgesetzt und sieht daher nicht nur gut aus, sondern unterstützt auch die Handlung. Die Animation ist mit so viel Liebe gestaltet, dass man sich in den Details jedes Frames verlieren kann.


Soundtrack

Für die musikalische Untermalung von A Silent Voice wurde niemand geringeres als Kensuke Ushio angeheuert. Dieser könnte manchen von euch unter anderem für seine Arbeit an Masaaki Yuasa´s zwei aktuellsten Anime-Serien Ping Pong The Animation oder Devilman Crybaby bekannt sein. Eigentlich ist das ja sogar ein wenig verwunderlich, wenn man die beiden actionlastigen Serien und deren energetische Musik mit dem Drama A Silent Voice vergleicht.

Doch bereits ab der ersten Minute werden alle Zweifel zum Soundtrack aus dem Weg geräumt. Denn von Beginn an klingt der Soundtrack großartig und unterstützt die Szenen in meisterhafter Manier. Die Musik ist dabei zwar modern, aber dennoch sehr minimalistisch und gefühlvoll gestaltet, um den Ton des Films zu stützen. Sie klingt teils wie eine etwas seichtere Abwandlung vom Drum-and-Bass Genre. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Stücke zwar passen, aber häufig nicht so stark in Erinnerung bleiben. Doch auch hier darf nicht pauschalisiert werden, da in den besonders dramatischen Momenten klar die stärksten und prägnantesten Stücke strahlen können.


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Deutsche Synchronisation

Für die deutsche Umsetzung wurden die G&G Studios aus Kaarst (Samurai Champloo) beauftragt. Für die Anfertigung des Dialogbuches und die Dialogregie verpflichtete man Birte Baumgardt.

Charakter Synchronsprecher
Shouya Ishida Nicolás Artajo (Yashiro/K-Project)
Shouko Nishimiya Jill Schulz (Satone/Love, Chunibyo & Other Delusions)
Naoka Ueno Birte Baumgardt (Maria Ross/Fullmetal Alchemist: Brotherhood)
Miyoko Sahara Corinna Dorenkamp (Chitoge/Nisekoi)
Miki Kawai Ilona Otto (Fujino/The Garden of Sinners)
Tomohiro Nagatsuka Benjamin Stolz (Adlet/Rokka no Yuusha)
Satoshi Mishiba Patrick Baehr (Kei Nagai/Ajin Demi-Human)

Wie gewohnt gelingt auch hier bei A Silent Voice den Beteiligten bei den G&G Studios eine gelungene deutsche Umsetzung. Insbesondere die Besetzung mit einem sehr treffend gewählten Nicolás Artajo als Shouya und einer wirklich großartigen Jill Schulz als Shouko, gelingt hervorragend. Vor allem bei der Besetzung von Shouko kamen mir im Vorfeld Zweifel auf, aber Jill Schulz gelingt es das Sprechen als Gehörlose nicht gekünstelt klingen zu lassen. Doch auch die restliche Besetzung mit unter anderem einem prominenten Patrick Baehr als Satoshi, der auch häufig in Hollywood Blockbustern zu hören ist, kann sich allemal sehen lassen.

Doch auch neben der Besetzung und Sprecherleistung klingt die Synchronisation hervorragend. Die Abmischung bringt die Umgebungsgeräusche und die Stimmen in angenehmen Einklang. Somit lässt sich insgesamt an der Synchronisation wirklich nichts aussetzen.


Design/Extras

Uns liegt vom Film die Deluxe-Edition in der Blu-Ray Variante vor. Diese kommt mit einem Digipack im Schuber daher und bietet nebenbei zur normalen Standard-Edition in der Amaray einige zusätzliche Extras.

Bei beiden Versionen sind Untertitel für Hörgeschädigte auf Deutsch, vier Interviews mit Staff-Mitgliedern, Location-Bilder (Anime – Original) und zwei Musikvideos enthalten. In der Deluxe-Edition sind neben der hochwertigeren Verpackung noch drei Artboards und ein Poster inklusive.


Allgemeine Daten

A Silent Voice Deluxe Edition CoverVeröffentlichung: 16. März 2018

Publisher: Kazé Anime

Genre: Drama, Slice-of-Life, Romance

Laufzeit: 130 Minuten

FSK: 6

Bild: 1080p

Ton/Sprache: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Japanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Quellen:  Amazon.de, Synchronkartei.de, MyAnimelist.net
Copyright: ©Yoshitoki Oima, KODANSHA/A SILENT VOICE The Movie Production Comittee.

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