Review: Death Stranding

   Sonntag, 12. Januar 2020  
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Keinem Spiel wurde in diesem Jahr mehr entgegen gefiebert, als Hideo Kojimas neustes Werk Death Stranding. Auch die Spekulationen und Fragen, was dieses Spiel eigentlich ist, wurde in der Gamer-Community seit dessen Ankündigung immer heiß diskutiert. Nun ist die Katze aus dem Sack und Death Stranding ist seit dem 8. November verfügbar. Doch ist es DAS Highlight von dem alle geträumt haben?

Erschienen ist das Spiel aus dem Hause Kojima Productions und Sony Interactive auf der PlayStation 4. Noch vor dem Release hat Kojima Productions eine PC-Version bestätigt, welche im Sommer 2020 folgen soll. Wie bei jedem großen Titel hattet ihr die Wahl zwischen unterschiedlichen Editionen. Neben der Standard Edition gibt es eine Special und Collector’s Edition, wobei letztere mittlerweile vergriffen ist. PlayStation DACH war so frei und hat uns ein Exemplar zur Verköstigung zukommen lassen. Was euch erwartet, was Death Stranding nun wirklich ist, verraten wir euch in unserer Review.


Achtung! Diese Review kann Spoiler zur Handlung von Death Stranding enthalten!

Handlung:

 

Die Welt wie wir sie kennen existiert nicht mehr. Nach einem Ereignis, welches als „gestrandeter Tod“ bekannt ist, lebt die Menschheit zurückgezogen in Bunkeranlagen. Die Natur hat sich mittlerweile die Erde zurückgeholt. Doch dies ist nicht das Einzige, was der gestrandete Tod mit sich brachte. Seit diesem Ereignis ist die Welt der Lebenden und die der Toten miteinander verwoben, was allerdings eine große Beeinträchtigung bewirkte. Die sogenannten „gestrandeten Dinge“ machen immer wieder Jagd auf die Menschen, um diese auf die andere Seite zu ziehen. Zu allem Überfluss spielt auch das Wetter verrückt. Der Regen lässt alles was ihn berührt in Windeseile altern. Durch diese Eigenschaft wurde der Regen in „Zeitregen“ umgetauft.

Eine Leiche kann zum Leeresturz führen. was einer Neutronenbombe gleicht!

In dieser Welt ist Sam Porter Bridges ein gewöhnlicher Bote, welcher Lieferungen zwischen den Bunkeranlagen durchführt. Doch dies ist aufgrund der niederen Bedingungen an der Oberfläche eine echte Herausforderung. Als er eines Tages eine Leiche zu einem Krematorium bringt, geht der Auftrag schief, was fatale Folgen für die Menschheit hat. Dennoch soll ihm eine noch größere Aufgabe übertragen werden. Die Wiedervereinigung der Vereinigten Städte von Amerika und der Aufbau eines Netzwerkes zwischen den Bunkeranlagen. Doch was steckt wirklich hinter der Mission?

Um ehrlich zu sein, die Handlung von Death Stranding lässt sich schwer in zwei Absätze zusammenfassen. Denn Hideo Kojima und Guillermo Del Toro haben etwas so Komplexes geschaffen, dass man nicht die richtigen Worte findet. Bereits in den ersten zwei Stunden raucht einem wortwörtlich der Kopf, weil man erstmal alles verarbeiten muss, was einem gerade cineastisch geboten wurde. Und leider zieht sich das weiter durch das Spiel, wie ein roter Faden. Es wird aber mit jedem Abschnitt etwas klarer, was wir da eigentlich machen. Deswegen muss man sich auf die Geschichte von Death Stranding einlassen können. Dabei stellen wir aber fest, dass Hideo Kojima und sein Team eine gute Entscheidung getroffen haben als man Schauspieler wie Norman Reedus, Lindsay Wagner oder den überaus charismatischen Mads Mikkelsen engagierte.

Doch um alles in einem Abschnitt zusammen zu fassen: Die Geschichte von Death Stranding konnte uns in einen Bann ziehen, welcher typisch für den Vater des weltbekannten Metal Gear Franchises ist. Dennoch muss man sich, wie bereits erwähnt, auf die Geschichte einlassen. Anfangs erscheint sie sehr schwergängig, wird aber immer mehr in Fahrt gebracht. Well played Mister Kojima!


Gameplay:

 

Kommen wir zu der Frage, die sich alle seit der Ankündigung stellen: Was macht man in Death Stranding eigentlich? Um diese Frage vorweg kurz zu beantworten: Ihr seid ein Lieferant! Ihr habt richtig gehört. Es geht nicht darum, Monster zu bekämpfen, sondern um das Ausliefern von Gütern und anderen Dingen. Ob das wirklich Spaß macht? Wir beantworten diese Frage mit einem klaren „JA!“.

Hier eine kleine Übersicht von Aufträgen.

Euer Charakter Sam muss, um die Städte von Amerika wiederzuvereinigen, von Knotenstadt zu Knotenstadt reisen. Dabei werden die neu angesteuerten Bunkerkomplexe in das sogenannte chirale Netzwerk integriert, welches man mit einer Social Media Plattform vergleichen kann, auch wenn dies etwas banal klingt. Denn für alles was ihr in Death Stranding unternehmt, erntet ihr Likes, welche man als eure Erfahrungspunkte sehen kann. Je höher die Likes, umso höher euer Level. Außerdem werden die Likes anhand bestimmter Kriterien verteilt, welche bestimmte Fähigkeiten von Sam steigern. Am Anfang tut man sich bestimmt schwer, muss man doch weite Strecken zu Fuß zurücklegen und dabei auch penibel auf die Wetterverhältnisse, den Untergrund und mögliche Gefahren achten. Doch nach einer Eingewöhnung, kommt der Ehrgeiz und man möchte immer mehr probieren und schaffen.

DEATH STRANDING™_20191213190756Sam schlägt sich durch, egal wie hart die Bedingungen sind.

So erging es uns jedenfalls während unseres Tests. Die spielerischen Möglichkeiten, welche Death Stranding bieten, sorgen für ganz schön viel Abwechslung, auch wenn es eigentlich immer das selbe Missionsschema ist: Bringe die angeforderte Ware von A nach B! Dies mag für manchen etwas eintönig und zugleich auch langweilig klingen, ist aber oft anspruchsvoller als erwartet. Denn uns erwarten auf unseren Botengänge Gefahren wie den in der Handlung erwähnten Zeitregen, welcher auch die Anwesenheit der gestrandeten Dinge mit sich bringt. Aber auch Menschen machen uns das Leben schwer. Die MULE’s, abtrünnige Boten, versuchen uns immer wieder unsere Fracht zu entreißen. Aber in alter Schleichmanier alla Solid Snake, könnt ihr diesen frachtsüchtigen Widersachern aus dem Weg gehen.

DEATH STRANDING™_20200112170034Hier hamsterndie MULE’s ihre gestohlene Fracht!

Um auf den Zeitregen und die gestrandeten Dingen, oder auch GDs genannt zurück zu kommen: Die GDs haben einen großen Vorteil, welcher unser größter Nachteil ist. Durch ihre nicht organische Komplexität, sind sie nahezu unsichtbar. Doch Sam hat die Gabe, sie leicht schemenhaft wahrzunehmen. Allerdings hilft dies nicht wirklich, weil es bis zum Entdecken der GDs meistens zu spät ist. Dafür verfügt Sam über ein wichtiges Gadget, welches das skurrile Aushängeschild für Death Stranding wurde: Das Bridge-Baby, abgekürzt BB. Mit diesem und dem sogenannten Odra-Deck, wird eine direkte Verbindung zur Welt der Toten erzeugt. Somit könnt ihr GDs rechtzeitig ausmachen, um diese entweder zu bekämpfen, oder eine alternative Route einzuschlagen. Denn wenn euch die GDs entdecken, versuchen sie euch auf die andere Seite zu ziehen.

DEATH STRANDING™_20200112165041Auch das richtige Platzieren euer Gegenstände ist essentiell für euren Erfolg!

Gelingt es ihnen, müsst ihr euch einem Boss stellen oder flüchten. Solltet ihr bei dem Versuch sterben, kommt euch Sams Eigenschaft der „Wiederkehrer“ zu gute, wodurch ihr wieder zum Leben erwacht. Dennoch hat euer Versagen folgen auf den aktuellen Spielverlauf, weil eure Fracht eventuell zu sehr beschädigt oder gar zerstört wurde. Es liegt also an euch, ob ihr aus dem Gefahrenbereich schleicht oder euch der Herausforderung stellt. Im späteren Spielverlauf erhaltet ihr nützliche Dinge, um den GDs ein Schnippchen zu schlagen. Generell wird es mit dem Aufbau des chiralen Netzwerkes etwas entspannter, da man immer mehr Technologien freischaltet, die euch das Leben ein bisschen leichter machen.

DEATH STRANDING™_20200112170419Nach jeder Mission wird eure Lieferung nach unterschiedlichen Kriterien ausgewertet!

Es gäbe noch so vieles, was man zu dem Gameplay von Death Stranding erläutern könnte. Aber wir möchten euch ja nicht die gesamte Spannung vorweg nehmen. Das Gameplay konnte uns jedenfalls begeistern. Auch wenn es auf manche wie ein „DHL-Simulator“ wirken könnte, so ist das vermeidlich einfache Missionsschema sehr abwechslungsreich gestaltet. Denn man findet immer neue Wege, sein Ziel zu erreichen. In unserer Testzeit haben wir schon in den ersten fünf Kapiteln die Marke von über vierzig Spielstunden geknackt. Und es wurde nicht langweilig. Es ist wirklich faszinierend, was aus dem mysteriösen Death Stranding nun geworden ist.


Multiplayer:

 

Auch Death Stranding hat einen Multiplayer Aspekt, für den ihr keine PlayStation Plus Mitgliedschaft benötigt. Dieser fällt aber anders ins Gewicht, als bei anderen Titeln. Denn Kojima Productions hat sich bei seinem neusten Streich für den asymetrischen Multiplayer entschieden, welchen Hideo Kojima Stranding System getauft hat. Was das bedeutet? Wir erklären es euch.

Sobald man einen weiteren Knoten in das chirale Netzwerk integriert…

Im Stranding System spielt ihr zusammen mit einer gewissen Anzahl von anderen Spielern auf einem zufällig ausgewählten Server. Allerdings läuft ihr euch niemals über den Weg, da Kojima Productions dafür sorgen wollte, das Spielverderber euch das Leben nicht noch schwerer machen. Doch was ist daran nun die Mehrspieler Komponente? Das Geheimnis liegt im chiralen Netzwerk, euren Mitspielern und euch selbst. Denn sobald ein Gebiet in das chirale Netzwerk eingebunden ist, tauchen überall die Hinterlassenschaften euer Mitspieler auf. So werden auf Routen, welche ihr bereits bereist habt, Leitern, Kletterverankerungen und andere Dinge freigeschaltet, die ein anderer Spieler erstellt hat. Oder ihr findet Fracht, die jemand verloren hat oder zurücklassen musste.

…erscheinen die Hinterlassenschaften eurer Mitstreiter!

Der Grundgedanke dahinter ist, dass alle an einem Strang ziehen. Neben den dadurch resultierenden Hilfestellungen, hat das Ganze einen weiteren Effekt, der sich für alle Spieler auf einem Server bezahlt macht. Ihr verteilt untereinander Likes, die dann in eure Erfahrung einfließt. So kam uns ab einem gewissen Spielabschnitt ein ordentlicher Erfahrungsboost zu gute, welcher durch unsere Mitspieler zustande kam.

Das Konzept dieser Art von Multiplayer hat etwas sehr aufregendes. Denn erstmals arbeiten alle Hand in Hand zusammen, um sich den Spielverlauf so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Natürlich gibt es auch im Stranding System kleine Wege, die anderen etwas zu ärgern. Dafür hat Kojima Productions bereits ein Update nachgereicht, womit man auch diesen kreativen Nervensägen das Handwerk legen kann. Deswegen finden wir den Mutliplayer wirklich sehr gelungen, da auch dieser etwas frischen Wind in die Gamer-Szene bringt. Außerdem empfehlen wir jedem, das Spiel im Online Modus zu spielen, weil man nur dadurch das volle Potential des Spiels ausschöpfen kann.


Grafik:

 

DEATH STRANDING™_20191205140625Der kommt uns irgendwie bekannt vor…

Abschließend kommen wir auf die Grafik zu sprechen. Denn diese ist ein wahrer Augenschmaus. Nach Kojimas Verlassen von Konami Entertainment Japan, musste dieser von Null anfangen. Doch die Kollegen von Guerllia Games haben ihre Decima Engine zur Verfügung gestellt. Diese kam bereits bei dem Sony Exklusivtitel Horizon Zero Dawn zum Einsatz und hat gezeigt, was in der PlayStation 4 schlummert. Kojima Productions konnte dank dieser Engine ihr bereits verwendetes Verfahren von der Fox Engine wiederbeleben und durch aufwändige Scans von realen Menschen ein fotorealistisches Spielerlebnis erschaffen. Dafür wurden viele bekannte Personen mit ins Boot geholt. Zwar tragen von diesen nicht alle eine wichtige Rolle, dennoch freut man sich über den ein oder anderen Auftritt von jemanden, den man absolut nicht erwartet hätte.

Die PlayStation 4 hat noch einiges auf dem Kasten!

Generell ist die Grafik auf einem Level, welche kurz vor der nächsten Konsolen Generation unter Beweis stellt, dass die PlayStation 4 noch nicht ihre absolute Grenze erreicht hat. Und dafür benötigt es keine 4K auf 60 Frames per Second. Auf unserer PlayStation 4 Pro und einem normalen FullHD Fernseher hat das Spiel eine ordentliche Figur gemacht. Trotz der Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde, hat das Gameplay nie gestrauchelt und lief sehr flüssig. Es ist grafisch ein echtes Meisterwerk geworden.

Im gesamten haben wir bisher noch kein Spiel gesehen, welches so stark an die reale Welt erinnert. Hideo Kojima und sein Team konnte erneut beweisen, dass man noch einiges aus der bereits fünf Jahre alten PlayStation 4 herausholen kann.


Trailer Death Stranding:


Allgemeine Daten:

61NGVfoTn7L._SL1000_Publisher: Sony Interactive

Entwickler: Kojima Productions

Genre: Action-Adventure, Open World

Plattform: PlayStation 4

Spieldauer: 50+ Stunden

Erscheinungsdatum: 8. November 2019

USK: 16

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