Review: Die Farbe aus dem All

   Sonntag, 19. April 2020   ,
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Mit Die Farbe aus dem All erscheint ein weiterer Manga von Gou Tanabe auch bei uns. Tanabe hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Werken von H. P. Lovecraft ein Gesicht zu geben. Daran sind in der Vergangenheit bereits einige Künstler gescheitert. Denn der Grusel, den Lovcraft vermitteln möchte, ist etwas, was in den Köpfen der Menschen stattfindet. Wir haben ein Exemplar dieses Werkes von Carlsen Manga zur Einsicht bekommen, und werden euch im Folgenden mitteilen, ob der beschriebene Grusel gut eingefangen wurde.


Klappentext

Der Bann des H.P. Lovecraft nimmt weiter seinen Lauf. Wie schon in der ersten Manga-Ausgabe „Der Hund und andere Geschichten“ werden die Leser durch Gou Tanabes klare Schwarzweiß-Zeichnungen in eine geheimnisvolle Story nah dem Horror gezogen: Als ein Landvermesser beim Bau eines Stausees ein mysteriöses Stück Land endeckt, nimmt das Unheil seinen Lauf…


Handlung

Anders, als in dem vorangegangenem Band, handelt es sich hier um eine einzige abgeschlossene Geschichte.  Im Vorgänger-Band  wurde mit jedem Kapitel eine kurze Geschichte dargestellt. Hier handelt es sich um eine vollständige Geschichte, abgeschlossen in einem Band. Die Farbe aus dem All gehört zu den bekannten Arkham-Erzählungen von H. P. Lovecraft. Arkham ist eine fiktive Stadt, erfunden von Lovecraft, in denen die meisten seiner Geschichten angesiedelt sind. So spielt auch unsere vorliegende Geschichte in der nähe von Arkham und erzählt die Geschichte von einem Landvermesser, der auf einige Hindernisse stößt.

„Dann hörte ich die Geschichte, und während er mit kratziger flüsternder Stimme weitschweifig erzählte, erschauderte ich trotz des sommerlichen Tages wieder und wieder. Nachdem er zu Ende erzählt hatte, war mir klar, warum sein Geist sich etwas verwirrt hatte und die Leute in Arkham kaum über die -verfluchte Heide- zu sprechen wagten.“

Ammi Pierce soll ein ungeselliger, komischer alter Mann sein, der alleine im verfluchten Tal lebe. Was hier verflucht sein soll, kann sich der junge Landvermesser bald denken, denn von einem Schritt auf den anderen wächst kein Gras mehr und er tritt auf Asche. Todeszone, wird es ebenfalls genannt. Seine Arbeit bringt ihn an diesen Ort, aber er entschließt sich dem alten Mann einen besuch abzustatten und dieser erzählt ihm bereitwillig die Geschichte wie alles hier so gekommen sei.

Ammi Pierce lebte mit seiner Familie in besagtem Tal, welches damals noch grün und fruchtbar war. Sein Nachbar lebte nur einen Steinwurf weiter, mit dieser Familie hegte man ein gutes Verhältnis. Bald schlug ein Meteorit bei seinem Nachbarn ein und verletzte wie durch ein Wunder niemanden. Doch nichts an diesem Meteoriten sollte im nachhinein noch wunderbar wirken.  Nach und nach verändert sich nicht nur der Meteorit selbst , sondern auch die Familie, die Umgebung und auch die Ernte. Dies folgt alles allerdings keinen klaren Zusammenhängen. Die Menschen müssen hilflos zusehen, wie ihr einst so gewohnter Lebensraum ihnen zum Verhängnis wird und sie nichts dagegen tun können …


Umsetzung 

Wie schon bereits im Vorfeld erwähnt, wagten sich einige Künstler an die Geschichten von Lovecraft. Tanabe wird hier gelobt, ihm sei gelungen, was bisher kaum einer schaffte. Zugegebenermaßen, ist die Verwendung des Mediums Manga für eine Geschichte, die sich „Die Farbe aus dem All“ nennt, auf den ersten Blick seltsam gewählt. Allerdings ist Lovecrafts wage, aber eindringliche Beschreibung dieser Farbe schwer zu illustrieren, so scheint eine schwarz-weiß-Adaption gar nicht so abwegig. Tatsächlich schafft Tanabe es sehr gut, die Atmosphäre und den Schrecken in seinen stark schraffierten Bildern festzuhalten. Die beschriebene Farbe wird durch eine Art Lichtschein, eine Flirren, etwas das die Figuren umgibt sehr gut eingefangen. Sie ist sichtbar und das ohne die Verwendung von Farben.

 

 

Im Nachwort wird von Thorsten Hanisch ebenfalls nochmal gut zusammengefasst, warum die Darstellung von Lovecarfts Werken eher schwierig schien:

[…] „Es ist die Dimension der Unbegreiflichkeit, diese Hilflosigkeit der Menschen angesichts der Erkenntnis, dass wir Mächten ausgesetzt sind, die wir weder verstehen, noch kontrollieren können, […] Gou Tanabes exzellente Umsetzung, die inhaltlich kaum von der Vorlage abweicht, reiht sich mit ihren streng durchkomponierten, subtilen und beklemmenden Zeichnungen ein. Vor allem erliegt Tanabe nicht der Versuchung einer Konkretisierung des Geschehens, denn er hat begriffen, dass die Farbe aus dem All letztendlich ein Symbol für unsere immerwährende Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit darstellt. […]

D.h. Tanabe versucht hier nicht zu erklären was stattfindet, sondern er bildet einfach ab, er stellt dar. Und das funktioniert. Die Zeichnungen lassen den Leser  gut in eine Welt finden, in der man sich automatisch unwohl fühlt und nicht sein möchte. Eine der ältesten und grundlegendsten Ängste des Menschen wird immer wieder gerne von Lovecraft aufgegriffen und das ist nichts plakatives wie Spinnen, der Tod, Krankheit oder die Aggressivität der Menschen. Es ist die Angst vor dem Unbekannten, vor einer Macht, die nicht greifbar und nicht erklärbar ist.

Die Umsetzung ist also definitiv gelungen und für Fans von anspruchsvolleren Manga eine absolute Empfehlung.

613WztKXp8LTaschenbuch: 192 Seiten

Verlag: Carlsen; Auflage: 1. (2. März 2020)

Sprache: Deutsch

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 15 Jahren

Größe und/oder Gewicht: 14,4 x 2,5 x 20,8 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

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