Review: Ergo Proxy Gesamtausgabe

   Freitag, 11. August 2017   ,
Ergo Proxy Bild 1

Mit der Ergo Proxy Blu-Ray Box veröffentlicht Nipponart den Anime erstmals in Deutschland auf Blu-Ray. Bisher war dieser lediglich auf sechs Einzelvolumes bzw. im Bundle auf DVD erhältlich.

Der Anime selbst wurde 2006 ohne Vorlage im inzwischen bankrotten Studio Manglobe (Michiko & Hatchin, Samurai Champloo) mit der Regie, Episodenregie, dem Storyboard, der Animationsregie und Key-Animation von Shukou Murase (Gangsta.) produziert. Auch Ausnahmeregisseur Shinichiro Watanabe (Cowboy Bebop, Terror in Tokio) war als Storyboarder aktiv und Sayo Yamamoto, die sich zuletzt vergangenes Jahr als Regisseurin und Schafferin von Yuri!!! on Ice einen Namen machte, hat sich als Episodenregisseurin und Storyboarderin am Projekt beteiligt.

Ob der Anime mit den vielen großen Namen sich als wirklich gutes Werk im Sci-Fi, Cyberpunk-Genre entpuppt, das erfahrt ihr bei uns in der folgenden Review!

(Hier wie immer die Warnung: Eventuelle Spoiler voraus!)

Protagonistin Re-l

Protagonistin Re-l


Story

Die Handlung des Animes Ergo Proxy spielt in einer scheinbar perfekten Welt, genauer genommen in der scheinbar harmonischen Kuppelstadt Romdeau, in der Menschen und Roboter, die Auroreivs genannt werden, scheinbar friedlich zusammenleben. Die Welt an sich ist gezeichnet von technischem Fortschritt, der den Alltag der Menschen erleichtern soll. Bei einer genaueren Betrachtung werden schnell die Schattenseiten der Welt sichtbar.

Denn im Kern ist die Stadt noch immer gezeichnet von den Umweltkatastrophen, die ihr widerfahren sind und auch das totalitäre Überwachungssystem der Stadt Romdeau schränkt nicht nur seine Bewohner in ihren Freiheiten ein, sondern droht auch schnell aus dem Gleichgewicht zu geraten. Daher sind die Menschen dazu verpflichtet zu gehorchen und verdammt ihren Sinn und Zweck für die „Gesellschaft“ zu erfüllen.

Als dann eines Tages das sogenannte Cogito-Virus plötzlich ausbricht und die Autoreivs durch ein eigenes Bewusstsein und das Entwickeln einer Seele humanisiert, sowie sogenannte Proxys an vielen Orten wahllos unzähligen Menschen ihre Leben nehmen, steht die Regierung vor einem großen Problem.

Inmitten dieses Geschehens bewegt sich Re-l Mayer. Ihre Aufgabe ist es nun als Mitglied des Geheimdienstes und Enkelin des Stadtregenten Ermittlungen bezüglich des Cogito-Viruses anzustellen. Dies ändert sich plötzlich, als sie in ihren Räumlichkeiten Opfer eines Angriffes durch einen Proxy wird. Sie beginnt auch in diese Richtung zu Ermitteln und das Geheimnis um diese Spezies zu lüften, woraufhin ihr ohne Grund aus höchster Instanz die Rechte genommen auf eigene Faust zu handeln.

Protagonist Vincent

Protagonist Vincent

Gleichzeitig agiert Vincent Law, ein Ausländer, als unterwürfiger des Systems in der AR (Autoreiv) Control Division auf die Suche nach mit dem Cogito-Virus infizierten Robotern. Seine Arbeit läuft reichlich schlecht, doch er geht dieser weiter gewissenhaft nach, bis er eines Tages ebenso von einem Proxy angegriffen wird. In seiner Not kontaktiert er Re-l, die getrieben vom Drang das unbekannte Phänomen zu lösen, zu seiner Hilfe eilt. Doch kaum erreicht sie ihn, gerät er ebenso ins Visier der Regierung und wird von bewaffneten Soldaten umstellt. Er vermutet eine Intrige seitens Re-l und wird durch eine von eine vom mysteriösen Kind Pino geöffnete Luftschleuse in das Land jenseits der „sicheren“ Stadtkuppel gezogen.

Welche Rolle wird Vincent noch spielen und wird Re-l das Geheimnis der Proxys lösen können?

Der Anime erzählt eine cyberpunktypische Geschichte, in der sich eine zuerst positiv wirkende Welt, sich als von innen heraus verdorben herausstellt. Dem Anime gelingt es hervorragend die eigene Geschichte lebendig zu erzählen und komplexe, sowie philosophische Fragen für den Zuschauer aufzuwerfen. – Fragen wie, „Was ist ein „Mensch“ und wo hört die Menschlichkeit auf?“ oder „Mündet die Implementierung von Technik in den Alltag in einen Überwachungsstaat?“.

Der Anime bleibt dabei stets sich selbst treu und hält über die gesamte Laufzeit die dichte Stimmung und Spannung aufrecht. Einen besonderen Reiz macht dabei auch die unkonventionelle Erzählstruktur und auch die sehr düstere Atmosphäre aus.


Charaktere

Re-l Mayer
Re-l ist, wie bereits erwähnt die Enkeltochter des Stadtoberhauptes und Kommissarin des Geheimdienstes der Stadt. Dort löst sie brutale Mordfälle und ist auch auf der Suche nach mit dem Cogito-Virus befallenen Autoreivs unterwegs. Sie wirkt auf den ersten Blick sehr kalt und ernst und erwartet als  Verwandte des Herrschers eine für ihre „Autorität“ angemessene Behandlung.

Iggy
Iggy ist ein Autoreiv und ständiger Komane von Re-l. Er begleitet sie auf ihren Missionen und hilft ihr bei deren Bewältigung weiter, steht jedoch unter strenger Kontrolle und Überwachung der Regierung. So werden seine Handlungen und seine Erinnerungen manipuliert, um Re-l von „unerlaubten“ Operationen abzuhalten. Dies führt jedoch letztendlich dazu, dass er bei vielen solcher Missionen einfach nicht mitgenommen wird.

Vincent Law
Ein Ausländer, der versucht in seiner Zeit in Romdeau durch seine Arbeit bei der AR Control Division ein vollständiger „Mitbürger“ zu werden bis zu dem schicksalhaften Vorfall, bei dem er durch eine Luftschleuse aus der Stadt in das eigentlich tödliche Außengebiet gezogen wird. Trotzdem ist es ihm möglich dort zusammen mit dem mysteriösen Kind Pino zu überleben, da auch seine Existenz selbst ein großes Geheimnis birgt…

Pino
Ein Autoreiv des Companion-Typs, der vom Cogito-Virus infiziert ist und den Vincent nach seiner Begegnung mit dem Proxy kennenlernt. In seiner Reise außerhalb der Stadtkuppel begleitet er ihn auf seiner Reise.

Insgesamt fallen die Charaktere sehr interessant aus. Sie haben sehr philosophisch und interessant geprägte Motivationen und besitzen sehr interessante und passende Charakterdesigns. Ihr innere Konflikt der Charaktere und deren Antrieb ist trotz des dystopischen Settings für den Zuschauer greifbar.


Animation/Bildqualität

Ergo Proxy entstand im Jahr 2006 und ist somit bereits vor elf Jahren erschienen. Das sich das Alter vor allen in den Animationen zeigt, war somit klar. Doch neben anderen großen Anime-Serien, wie Code Geass und Death Note, die ebenso im selben Jahr erschienen, macht Ergo Proxy eine großartige Figur.

Im Allgemeinen ist der Anime vom Storytelling und der Atmosphäre sehr düster gehalten, was sich in der Animation nahezu perfekt widerspiegelt. Sowohl die Shot-Komposition, die Cinematographie, als auch die Bewegungen der Charaktere sind zumeist gut gewählt und tragen zum positiven Gesamteindruck bei. Lediglich die teils etwas unschön geratenen Proportionen, die ab der zweiten Folge hin und wieder sichtbar werden, kann man als kleinen Kritikpunkt anmerken.

Doch vor allem die verbesserte Blu-Ray Qualität wertet den Eindruck sehr auf. Alles sieht einfach viel schärfer und detaillierter aus, als noch auf der DVD-Version. Das hat sich für den Anime trotz seines Alters definitiv gelohnt.

Ergo Proxy Pino


Audio

Die Musik des Animes passt ebenso sehr gut zum gezeigten Szenario. Sie ist zwar an den meisten Sellen recht unauffällig, untermalt die Szenen aber angemessen und verstärkt die Spannung. Der Klang  erinnert vor allem an die Musik aus Live-Action Thriller-Filmen, weist jedoch an manchen Stellen auch einen experimentellen Stil auf.

Das Opening und das Ending sind absolut großartig. Das OP wurde von der MONORAL performt und trägt den Namen „Kiri“, während als das ED der Song „Paranoid Android“ der weltbekannten Band Radiohead gespielt wird. Hier ist weder monotoner J-Pop zu hören, noch seelenlose Pop-Musik zu erkennen. Beide Lieder sind extrem atmosphärisch, aber zugleich ruhig und gefühlvoll. Das ED wirkt aber sogar noch etwas nuancierter, beiden gelingt es dem Anime einen passenden Start und ein gelungenes Ende zu gewährleisten.

Leider wurde das Ending auf der deutschen Blu-Ray Version wahrscheinlich aus Lizenzgründen ersetzt, was schade ist.


Opening:


Ending:


Deutsche Synchronisation

Für die deutsche Umsetzung der Serie wurden die GÜLO Film- und Tontechnik aus München beauftragt. Das Synchronstudio besetzte in den Hauptrollen Kathrin Gaube als Re-l und den inzwischen leider verstorbenen Philip Brammer als Vincent. Beide Sprecher haben dabei einen ausgezeichneten Job geleistet und verkörpern die Charaktere treffend. Des Weiteren zu hören sind der ebenso inzwischen von uns gegangene Hartmut Neugebauer als Hoody, Shandra Schadt als Daedalus Yumeno und viele mehr.

Insgesamt haben sowohl die Dialogschreiber, als auch die Synchronsprecher einen guten Job geleistet. Die Dialoge und die Aussprache wirken meist natürlich und auch die Stimmfarbe der Charaktere wurde gut getroffen. Lediglich an einigen Stellen wirkt die Aussprecher bei manchen Nebencharakteren etwas steif und auch die Abmischung hätte die Hintergrundmusik etwas besser hervorheben können.

Ergo Proxy

Ergo Proxy


Design/Extras

Nachdem Ergo Proxy bisher nur auf DVD erschien, hat Nipponart keine Mühen gescheut der Serie ein gebührendes Debut auf Blu-Ray zu bieten. So werden hier bei weitem nicht nur die Disks in der Box ausgeliefert, sondern auch die Verpackung und die Extras fallen hochwertig verarbeitet und üppig aus. So findet man in dem Digipack in der schicken auf 3.500 Stück limitierten Aufklapp-Box einen 76-seitigen Serien-Guide, ein 30-seitiges Booklet sowie ein 12-teiliges Set aus Postkarten. Als digitales Extra gibt es zwei »Behind the Scenes« und drei Interviews.

Wir bedanken uns bei Nipponart für die Bereitstellung des Review-Materials!

 


Allgemeine Informationen

Ergo Proxy Box BIld
Veröffentlichung: 11.08.2017

Sprache: Deutsch, Japanisch

Untertitel: Deutsch

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Publisher: Nipponart

Produktionsjahr: 2006

Spieldauer: 600 Minuten


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