Review: Higurashi Volume 1

   Donnerstag, 2. August 2018   , ,
Higurashi Bild 2

Nachdem AniMoon Publishing seit seinem ersten Release Yosuga no Sora meist im Romance-Bereich vertreten war, wagt man sich mit Higurashi in eine andere, schaurigere Richtung. Mit der 2006 vom Studio Deen (KonoSuba) veröffentlichten Visual Novel Adaption bringt der Publisher nun einen der beliebtesten Horror-Anime auf den deutschen Markt. Die Regie für die Serie führte Chiaki Kon, die auch bei Golden Time oder Nodame Cantabile Finale auf dem Regiestuhl platznahm.

Ob sich der Kauf der ersten Volume mit den Episoden eins bis vier des Anime lohnt, das erfahrt ihr in der folgenden Review!

Doch wie immer die Warnung: Eventuelle Spoiler voraus!


Story

Hinamizawa – ein kleines und abgeschiedenes Dorf in Japan. Unscheinbar leben die dort ansässigen Dorfbewohner ihren Alltag. Eines Tages wird auch Keiichi Maebara Teil der Dorfgemeinschaft, als er mit seinen Eltern in den verträumten Ort zieht. Dort besucht er die Schule durch die er schon schnell viele Kontakte im Dorf und vor allem zu seinen Mitschülerinnen knüpfen kann. In und nach der Schule verbringt er daher viel Zeit mit den Mädchen Rena, Mion, Satoko und Rika.

Doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer. Als Keiichi einem Mord in dem Dorf auf die Schliche kommt, wendet sich das Blatt und die Bewohner des Dorfes zeigen sich von einer ganz anderen Seite.


Higurashi Screenshot 4


Nach den ersten vier Episoden lässt sich die Handlung von Higurashi als sehr interessant bezeichnen. Die Serie hat ein ganz eigenes Gefühl und die grausamen Geschehnisse denen man beiwohnt, lassen einem selbst die leichtfertigen und komödiantischen Szenen aus dem Alltag der Charaktere aus einem eigenartigen Licht sehen.

Higurashi ist wirklicher Horror. Es ist kein Anime, der wie manch andere Splatter-Vertreter ständig Gedärme und Blut durch die Luft fliegen lässt. Es sind die kleinen Dinge im Verhalten der Dorfbewohner und vor allem die Gewissheit, dass es etwas Grausames passiert, die einem an die Kante des Stuhls zwingen. Es ist psychologischer Horror, denn man weiß nicht wann, wie und warum die Geschichte ein schreckliches Ende nehmen wird.

Es bleibt daher auch wirklich spannend, wie es in der zweiten Volume weiter geht.


Charaktere

Die Charaktere in Higurashi tragen die Story, sind aber zugleich ein wirkliches Mysterium. Die gesamten Episoden lang sieht man die Geschehnisse aus der Sicht von Keiichi, der neu in der Stadt ist und daher mit dem Dorf und seinen Bewohnern erst seit kurzem vertraut ist. Dennoch wirkt er sehr locker und entspannt gegenüber den Mädchen und man könnte fast denken, dass sie sich schon seit langer Zeit kennen. Vor allem in den Schulszenarien wirken die Mädchen wie die typischen Charakteren aus Slice-of-Life Anime oder anderen Visual Novel Adaptionen.

Doch je länger man sich den Anime ansieht, desto mehr beginnt diese süße Fassade zu bröckeln. Hinter dem fröhlichen und unschuldigen Lächeln stecken dunkle und furchteinflößende Charakterzüge, die sich immer mehr bemerkbar machen. Vor allem durch die Charaktere gelingt es Higurashi so gruselig zu sein, wie kaum ein anderer Anime. Sie basieren auf den typischen Moe-Sterotypen von denen man glaubt, sie könnten keinem auch nur ein Haar krümmen, funktionieren aber im Kern ganz anders.

Man beginnt bereits in den ersten Episoden Ihren Charaker zu hinterfragen, sich Gedanken darüber zu machen, wie und ob man Ihnen überhaupt trauen sollte und welches Mysterium hinter Ihnen und dem Dorf steckt.


Animation

Higurashi wurde bereits 2006 vom Studio Deen veröffentlicht und ist damit alles als neu. Dennoch hat sich die Animation bis zum heutigen Tage sehr gut gehalten – in der Stimmung, die sie erzeugt. Aus technischer Sicht ist sie furchtbar, das lässt sich kaum bestreiten. Die Bewegungen der Figuren sind sehr einfach und meist nicht wirklich flüssig. Auch die Hintergründe sind zwar gezeichnet, aber häufig räumlich nicht wirklich akkurat und teils ist sogar sehr schlechtes CGI integriert worden (Windmühle in Episode eins). Daran kann auch der Blu-Ray Release in HD nicht wirklich viel ändern, doch das ist auch gar nicht schlimm – im Gegenteil.


Higurashi Screenshot 7


Higurashi Screenshot 3


Higurashi Screenshot 2


Durch die rohe Animation wirken vor allem die gruseligen Szenen noch furchteinflößender, die komödiantischen Szenen deutlich authentischer und der Look der Animation gibt der Serie einen fremden und abgefuckten Touch. Sie wirkt so unausgeglichen, wie die Mädchen des Dorfes.

Gute Animation gibt dem Anime eine zusätzliche Ebene und unterstützt die Handlung. Daher stellte sich mir hier die Frage: Wäre Higurashi dasselbe ohne die Animation und fügt sie so wie sie ist etwas der Story hinzu? Diese Frage lässt sich für mich klar mit „ja“ beantworten.


Audio

Für den Originalsoundtrack wurde der Komponist Kenji Kawai (Ghost in the Shell, Mob Psycho 100) beauftragt, der eine hervorragende Leistung abgeliefert hat. Seiner Musik gelingt es sowohl die Slice-of-Life artigen und leichtfertigen Szenen sowie die gruseligen Momente gelungen musikalisch zu untermalen. Unterstützt wird der gute Soundtrack durch das ständige Zirpen der Zikaden und die unausgeglichenen lauten Soundeffekte. Vor allem letztere werden häufig eingesetzt, wenn neue Erkenntnisse bekannt werden und lassen einem einen kalten Schauer die Rücken herunterlaufen.

Der Sound in Higurashi hebt sich damit klar von der Masse generischer Anime-Soundtracks ab. Das Opening und das Ending sind dabei keine Ausnahme. Beide sind wirklich großartig. Das Opening von Eiko Shimamiya passt mit dem ungewöhnlichen Klang sehr gut zum Inhalt zur Serie. Das Outro „why, or why not“ von Katakiri Rekka wirkt dagegen schon etwas konventioneller, kann jedoch ebenso überzeugen und hebt sich klar vom Einheitsbrei vieler anderer Anime ab.


Higurashi Screenshot 1


Deutsche Synchronisation

Für die deutsche Synchronisation hat AniMoon Publishing die Synchronschmiede Kölnsynchron beauftragt, die bereits Anime-Serien wie DanMachi oder Overlord ins Deutsche übersetzten. Für das Dialogbuch beauftragte man Daniel Käser (Usagi Drop) und Lars Falinski (Prison School), während Daniel Käser auch die Dialogregie übernahm.


Sprechercast:

Sprecher Charakter
Domenic Redl Keiichi Maebara
Moira May Rena Ryuuguu
Mayke Dähn Mion Sonozaki
Gabrielle Pietermann Rika Furude
Helen Malin Blaschke Satoko Hojou
Heiko Obermüller Jirou Tomitake
Pierre Peters-Arnolds Kuraudo Ooishi
Claudia Urbschat-Mingues Miyo Takano
Nicolas Böll Kyosuke Irie

Beim Synchronsprechercast und bei der Auswahl des Synchronstudios fällt schnell auf, dass man sich an die Auswahl der letzten AniMoon Serie Usagi Drop orientiert hat. Doch was dort funktioniert hat, klappt auch hier zum größten Teil. Zwar ist die Synchro zu Higurashi bei weitem nicht die beste des Publishers, vor allem im Vergleich zur grandiosen Umsetzung von Toradora, jedoch sind vor allem die Protagonisten sehr gut besetzt. Insbesondere Moira May gelingt es hervorragend die süßen, aber zugleich auch die verstörenden Seiten von Rena zu sprechen. Einzig die Stimme von Rika finde ich mit Gabrielle Pietermann klar zu feminin besetzt, wodurch die kindliche Art zu gekünstelt wird.

Insgesamt gelingt aber auch die Abmischung hervorragend und es ließen sich keine Synchronisationsfehler von mir entdecken. Auch die Leistung der Sprecher ist wirklich sehr gut. Die Dialoge wirken natürlich und nicht abgelesen oder heruntergerattert.


Higurashi Screenshot 5


Design/Extras

Pappaufsteller, Plüschtiere und Buttons – hat man alles schon gesehen oder zumindest schon einmal davon gehört. Das dachte sich AniMoon wohl auch und hat sich für Higurashi ein ganz besonderes Extra für die erste Volume von Higurashi überlegt – eine 16 Zentimeter lange Metallmachete. Zu dem schaurigen Extra gibt es dann auch noch einen Sammelschuber, in dem sich das FuturePack mitsamt den ersten vier Episoden auf DVD oder Blu-Ray befindet.

Zudem lässt aus dem Platzhalter im Schuber eine Art Gral für die Machete basteln, der sich perfekt im heimischen Regal platzieren lässt. Außerdem befindet sich eine teilweise transparente O-Card um das FuturePak, das das fröhliche und helle Artwork entweder durchscheinen oder im gruseligen Negativ-Look erstrahlen lässt.

Insgesamt ist Higurashi damit der meine Meinung nach kreativste und am besten durchdachteste Anime-Release der letzten Jahre. Das Verpackungsdesign ist von vorne bis hinten perfekt durchgeplant und mit sehr viel Liebe gestaltet worden.


 

Allgemeine Informationen

 

VHigurashi Volume einseröffentlichung: 06. Juli 2018

Sprache: Deutsch, Japanisch

Untertitel: Deutsch

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Publisher: AniMoon Publishing

Produktionsjahr: 2006

Spieldauer: 96 Minuten

© Studio Deen



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