Review: Kiznaiver Vol. 1 – Der Schmerz der Verbindung

   Donnerstag, 26. April 2018   , ,
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Mit Kiznaiver veröffentlichte das renommierte Studio TRIGGER 2016 einen neuen Original-Anime.

Die Produktion der Serie entstand im Kill la Kill und Darling in the FranXX Studio unter der Regie von  Hiroshi Kobayashi (Assistenzregie Shingeki no Bahamut: Genesis), während Mari Okada (AnoHana) das Skript und die Lyrics des Openings schrieb sowie die Serienkomposition übernahm.

Nachdem die Serie bereits parallel zum japanischen TV-Release auf AKIBA PASS im Simulcast erschien, veröffentlicht peppermint anime nun die 12-teilige Serie auf zwei Volumes nur auf Blu-Ray.

Ob sich der Kauf der ersten Volume mit den Episoden eins bis sechs lohnt, das erfahrt ihr in der folgenden Review.


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Eine mysteriöse Erinnerung


Handlung

Für den lethargischen Katsuhira, der kaum Schmerz empfinden kann, gehört es zum Alltag, von seinen Mitschülern verprügelt und erpresst zu werden. Genau so beginnt auch der Tag, an dem er auf die mysteriöse Schönheit Noriko trifft, die ihm erst einen Vortrag hält und ihn dann die Treppe hinunterstößt! Wieder bei Bewusstsein findet er sich mit fünf Mitschülern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, an einem seltsamen Ort wieder. Noriko eröffnet den verdutzten Schülern, dass sie alle einer Operation unterzogen wurden, durch die sie die Schmerzen der jeweils anderen fühlen können. Dies sei der erste Schritt auf dem Weg zum Weltfrieden. Natürlich halten das alle für unglaubwürdigen Schwachsinn und wollen schleunigst verschwinden, doch das stellt sich als nicht so einfach heraus wie gedacht…


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Chirdori und Niko


Bereits in der ersten Folge gelingt es Kiznaiver mit seiner wirklich sehr interessanten Prämisse zu überzeugen. So verkörpern alle sieben Protagonisten eine der sieben Todsünden und sind daher von Grund auf verschieden. Die Idee den Schmerz der Figuren mithilfe eines operativen Eingriffes zu verbinden und sie so für ein Friedensexperiment zu empathischem Verhalten zu motivieren, ist in sich schlüssig. Ohne große Umschweife wird das Konzept der „Kiznaiver“ dem Zuschauer und den Partizipanten erläutert und praktisch umgesetzt.

In den darauffolgenden Episoden baut der Anime um diese Grundidee eine Slice-of-Life-artige Handlung auf, in der die Organisation, die das Kizna-System entwickelte, immer wieder neue Versuche mit dem System startet. Dabei hat man stets das Gefühl, dass sich die Handlung weiterentwickelt.


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Unterschiedlich und doch verbunden


Dennoch fühlt sich die Serie an manchen Stellen bereits ein wenig zu gehetzt an. So erfährt man außerhalb der ersten Episode kaum weitere Informationen über die Welt, in der die Charaktere leben, obwohl diese alles andere als „normal“ funktioniert. Zudem stellt sich bei dem Konzept die Frage, ob die Charaktere nicht dennoch für physischen Schmerz, also Verletzungen, Knochenbrüche etc. anfällig sein müssten, da ja lediglich ihre Schmerzempfindung durch das Kizna-System verbunden und dadurch abgemildert wird.

Was dafür wieder gut gelingt, ist der Abwechslungsreichtum. Zwar steht die Interaktion zwischen den Charakteren meist im Vordergrund, aber durch die übertriebene Darstellung und die vielen Locationwechsel, bietet die Handlung mehr als reines Highschool-Drama und schafft es in manchen Momenten auch mit einigen Klischees aufzuräumen.

Trotz der Kritikpunkte gelingt es dem Anime mit seinem starken Grundkonzept und der charakterfokussierten Handlung wirklich ausgezeichnet zu unterhalten, trotz der Schwächen im Worldbuildung und einigen verschenkten Möglichkeiten.


Charaktere

 

Noriko Sonozaki KiznaiverNoriko Sonozaki 

Sie ist ein mysteriöses Mädchen, das im Schutze des Bürgermeisters das „Kizna-System“ verwaltet und daher auch direkt mit den „Teilnehmern“ in Kontakt tritt. Sie ist etwa im selben Alter wie die anderen Protagonisten, ihr Schmerz ist aber anscheinend nicht mit dem der anderen verbunden.

 

 

 


Die sieben Todsünden

 

Katsuhira Agata Kiznaiver

Katsuhira Agata (Trägheit)

Katsuhira kann seitdem er ein Kind ist keinen Schmerz mehr fühlen. Da er keine Reaktionen zeigt auf Verletzungen, die ihm zugefügt werden und sich zudem nicht wehrt, wird er häufig zum Opfer von Mobbing und Schikane durch sein Umfeld. Durch sein mangelndes Empathievermögen ist es ihm zudem auch nicht möglich den Schmerz anderer nachzuvollziehen.

 


Chidori Takashiro KiznaiverChidori Takashiro (Neid)

Tsundere. Von außen hin wirkt sie oft zickig und unfreundlich, doch vor allem um Katsuhira kümmert sie sich so oft und so gut sie kann, obwohl er sie kaum wahrnimmt. Zudem wohnt sie neben ihm und hat auch die Fähigkeit ausgezeichnet zu kochen.

 

 

 


Tenga Hajime KiznaiverTenga Hajime (Zorn)

Tenga ist der typische Raufbold, der seine Probleme eher mit seinem Schädel, als mit dessen Inhalt zu lösen versucht. Er ist rebellisch und hitzköpfig, wodurch er häufig in Ärger gerät und sich mit anderen anlegt.

 

 

 


Niko Niiyama (Gier)Niko Niiyama Kiznaiver

Niko verhält sich meist wie ein Kind und tanzt durch ihren extravaganten Kleidungsstil, ihre überdrehte Gestik und Mimik sowie ihre energetische Art stets aus der Reihe. In ihrer Freizeit beschwört sie zudem gerne Elfen.

 

 

 


Tsugohito Yuta KiznaiverTsuhohito Yuta (Völlerei/Gefräßigkeit)

Mit seiner arroganten und dennoch schmeichelhaften Art gelingt es Yuta sich einen Harem an oberflächlichen Freundinnen aufzubauen. Er reagiert häufig gereizt, insbesondere auf Menschen, die er nicht mag oder wenn er nicht genug Aufmerksamkeit erhält.

 

 

 


Honoka Maki KiznaiverHonoka Maki (Hochmut)

Honoka verbringt die meiste Zeit lieber allein in ihrer Welt der Bücher, als sich zu sozialisieren und mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Falls es doch zu einem Aufeinandertreffen kommen sollte, reagiert sie meist abweisend und versucht jeglichen Kontakt abzuwenden.

 

 

 


Yoshiharu Hisomu KiznaiverYoshiharu Hisomu (Wollust)

Von seiner Umwelt wird er als sehr schön wahrgenommen, doch anstatt darauf aufzubauen, verfolgt er andere Interessen. Hisomu liebt den Schmerz, da er ihm das Gefühl gibt am Leben zu sein.

 

 

 


Insgesamt sind die Charaktere in Kiznaiver  großartig gelungen. Jeder von ihnen ist exzentrisch und besitzt ganz eigene Charakterzüge. Trotz ihrer klischeehaften und teils überzeichneten Darstellung, wirkt die Interaktion zwischen ihnen immerzu natürlich.

Zudem gelingt eine konstante Darstellung der Figuren. Sie handeln stets in ihrem Muster und verhalten sich ihren Charakterzügen entsprechend. Auch die kollektive Entwicklung der Gruppe wird sehr gut in Szene gestellt, auch wenn der individuelle Fortgang abgesehen von Katsuhira recht kurz kommt.

Insgesamt tragen die Charaktere dennoch die Handlung und sorgen dafür, dass selbst in dialoglastigen Szenen keine Langeweile aufkommt. Zudem sind auch alle Charakterdesigns hervorragend gestaltet worden. Vor allem die wunderschönen Augen und mit den Charakterzügen abgestimmten Entwürfe können überzeugen.


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Ein bisschen Drama darf nicht fehlen!


Animation

In puncto Animation bietet Kiznaiver eine wirklich bombastische Leistung. Von der ersten Minute an sieht der Anime wunderschön aus. Die hervorragenden Farbwahlen in den Szenen von kühl bis warm schaffen es die Stimmung im Anime erfolgreich zu unterstützen. Auch die clevere und sehr stilisierte Shot-Composition trägt zur einzigartigen Stimmung der Serie bei.

Kiznaiver fühlt sich einfach nicht an wie jeder andere Anime.

Die bereits gelobten Charakterentwürfe werden hervorragend in die Serie adaptiert und verlieren, auch wenn sie nicht direkt mit einem Medium-Shot oder Close-up im Bild sind, nie an Energie oder allzu großer Detailliertheit. Besonders die Augen sehen konstant hervorragend aus, genauso wie die Proportionen der Charaktere, was häufig in anderen Anime nicht der Fall ist.

Des Weiteren  ist die Darstellung der Emotionen von den Figuren in der Animation großartig. So besitzt z.B. Katsuhira meist einen glasigen Blick in die Ferne und eine sehr schwache Mimik und Gestik, während bei Tenga das Gegenteil der Fall ist. Besonders im Vergleich zu Kill la Kill fällt auf, dass die Darstellung der Emotionen meist nicht mehr mit limitierter Animation erfolgt, sondern alles in einem Animationsstil verbleibt.


Kiznaiver Gomorins Kiznaiver OP Screenshot Kiznaiver Katsuhira Folter Kiznaiver Bild Nori x Katsuhira


Sound

Für den Soundtrack von Kiznaiver wurde der Komponist Yuuki Hayashi (Blood Lad/My Hero Academia) beauftragt. Für den OST wählte der Künstler vor allem die Musikstile Klassik und Techno, die häufig miteinander kombiniert werden und so einen interessanten und prägnanten Klang ergeben. Zudem harmoniert die Genrewahl treffend mit dem Inhalt der Serie, der zum einen mit dem Kizna-System eine futuristische Technologie etabliert zu der Techno passt, aber auch melodramatische Momente aufweist, die erfolgreich durch Klassik repräsentiert werden. Die Musik besitzt durch ihren minimalistischen Klang zwar kein Ohrwurmpotential, trägt aber hervorragend zum artistischen Grundton der Serie bei.


Kiznaiver - Yuta in Rage

Yuta in Auffuhr


Der positive Eindruck setzt sich auch im Opening fort. Dieses wurde von der Band „Boom Boom Satellites“ performt und trägt den Namen „Lay your Hands on me“. Das Lied lässt sich zwar wie so häufig in Anime-Openings dem Pop-Genre zuordnen, kann aber dennoch überzeugen. Die Stimme harmoniert angenehm mit der techno-lastigen Melodie und passt auch zur hervorragend gestalteten und symbolträchtigen Animation.

Leider war das Lied zugleich auch der letzte Song von Boom Boom Satellites, da sie sich danach trennten. Begründet ist dies mit der Krankheit des Band-Mitgliedes Michiyuki Kawasima, der kurz danach an den Folgen seiner Krankheit starb.


Kiznaiver Fanservice

Manchmal darf auch der Fanservice nicht fehlen…


Das Ending der Serie „Hajimarino Sokudo“ von „Sangatsu no Phantasia“ blieb mir persönlich nicht sonderlich im Gedächtnis. Auf mich wirkt das Stück bereits nach Kurzem repetitiv und musikalisch nicht wirklich ansprechend. Visuell ist das ED aber wieder hervorragend gestaltet worden. So werden viele der Charaktere aus der Serie zusammen mit einer Blume dargestellt, wovon sich mithilfe des Blumensymbolismus zentrale Wesenseigenschaften bzw. ihre Rolle unter den Kiznaivern interpretieren lassen. So wird Maki´s Ringelblume z.B. mit dem Tod einer geliebten Person in Verbindung gebracht.


Deutsche Synchronisation

Für die deutsche Umsetzung von Kiznaiver wurde das Münchner Synchronstudio Violetmedia beauftragt, bei dem Robert Weber das Dialogbuch schrieb und Michéle Tichawsky als Dialogregisseurin fungierte.

Charakter Synchronsprecher
Chidori Takashiro Amira Leisner (Glitter Rot/Glitter Force)
Hajime Tenga Leonard Hohm (Cody/Gangsta.)
Honoka Maki Nicole Hise (Yuuki/Sword Art Online)
Katsuhira Agata Thomas John von Freyend (Katsuhiko/Your Name.)
Nico Niiyama Lara Wurmer (Kyouko/Deadman Wonderland)
Noriko Sonozaki Katharina Iacobescu (Julis/The Asterisk War)
Tsuguhito Yuta Karim El Kammouchi (Claudia/Violet Evergarden)
Yoshiharu Hisomu Louis Friedemann Thiele (Hans/Rokka no Yuusha)

Häufig werden die Synchronisationen von Violetmedia in der Anime-Community kontrovers diskutiert. Hört man sich die deutsche Synchronfassung von Kiznaiver an, erschließt sich jedoch nicht warum. Die Besetzung ist sehr gut gelungen – es gibt keinen der Protagonisten bei dem die Stimme nicht passt und auch die Synchronsprecherleistung ist mehr als ordentlich. Insbesondere Thomas John von Freyend gelingt es die ruhige und sehr enthaltsame Art von Katsuhira überzeugend zu sprechen.


Kiznaiver Nori

Ein mysteriöses Kind…Wer das wohl ist?


Doch auch die Abmischung gelingt sehr gut. Die Umgebung und die Position der Charaktere wurden treffend berücksichtigt, sodass der Ton natürlich und nicht wie aus dem Studio aufgenommen klingt.

Einziger Kritikpunkt sind die teils zu überspitzten Dialoge. Zwar ist es schön, dass man sich die Mühe gemacht hat insbesondere Tenga ständig Sprüche klopfen zu lassen. Leider wirken diese häufig zu altbacken und sind nicht wirklich universell für jeden verständlich. Insgesamt ist die deutsche Synchronisation aber überaus gelungen.


Design/Extras

Für den Release von Kiznaiver wählte peppermint anime eine einfache Verpackung und Ausstattung. So erschien Volume eins in einer Amaray mit Wendecover und Pappschuber ohne weitere Extras. Das Design ist dafür ansprechend gestaltet worden. Ganz im Stile der Serie ist auch das Artwork der Verpackung minimalistisch gehalten.

Auf der Vorderseite des Pappschubers ist Nori zu sehen, die vor dem weißen Hintergrund platziert ist. Der helle Hintergrund auf der Vorderseite mit schwarzer Schrift und der dunkel angezogenen Nori erzeugt einen ansprechenden hell-dunkel Kontrast. Abgerundet wird die Komposition durch das helle Blau von Nori´s Haaren, die vom rechten bis zum linken Rand durchs Bild wehen.


Kiznaiver Stromschock

Falsche Antwort!


Die Designsprache wird auch auf der Rückseite fortgesetzt, auf der Katsuhira im weißen Hemd und mit hellblauer Krawatte (in etwa Nori´s Haarfarbe) vor schwarzem Hintergrund abgebildet ist. Da er zudem weiße Haare besitzt, die nur leicht am Ansatz braun sind, kommt auch hier ein angenehmer hell-dunkel Kontrast zustande.

Das Artwork auf der Amaray hingegen verbindet beide Charaktere vom Pappschuber in einem gemeinsamen Artwork, das aber im allgemeinen nicht so interessant gestaltet ist und leider ein aufgedrucktes FSK Logo aufweist. Auf dem Pappschuber ist das FSK Logo jedoch abziehbar. Das Wendecover wartet mit dem Hintergrunddesign von der Rückseite des Pappschubers auf.

Insgesamt kann insbesondere das Design des Volumes überzeugen, während es die Extras leider nicht können. Wo früher noch der Code zum Abruf des gekauften Inhalts für AKIBA PASS oder WAKANIM enthalten war, ist nun gar nichts mehr. Dafür erhält man die Volume mit sechs Episoden für 36,99 Euro, was verhältnismäßig günstig ist.

Wir bedanken uns bei peppermint anime für die Bereitstellung des Review-Exemplars! 


Allgemeine Informationen

Kiznaiver Vol. 1 BildVeröffentlichung: 30.03.2018

Sprache: Deutsch, Japanisch

Untertitel: Deutsch

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Publisher: peppermint anime

Produktionsjahr: 2016

Spieldauer: 150 Minuten



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