Review: Mutafukaz Blu-Ray

   Sonntag, 14. April 2019   ,

Der französische Comic – Autor, Illustrator und Regisseur Guillaume „Run“ Renard erschuf ab 1997 die Welt von Mutafukaz, zunächst als Comicprojekt, für das er kurze Flash – Animationen erstellte, und dann als Kurzfilm, der unter anderem beim Sundance Festival gezeigt und vielfach ausgezeichnet wurde. Schließlich erschien ab 2006 bei Ankama Editions die Comicbuchreihe, auf der der Animationsfilm Mutafukaz basiert. Gemeinsam mit anderen Autoren entwickelte er ab 2010 die Reihe DoggyBags und genießt Kultstatus unter Anime – Fans.

Produziert wurde die Adaption von dem französischen Unterhaltungskonzern An­kama, der bereits die Comics publizierte, und der japanischen Animationsschmiede Studio 4°C, unter deren Dach meisterliche Werke wie Memories (1995), Mind Game (2004) und Tekkon Kinkreet (2006) entstanden sind. 

Im Rahmen des Akiba PASS Festivals war der Film bereits vergangenes Jahr in französischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln zu sehen und auf Events in ausgewählten Kinos feierte auch die deutsche Synchronfassung letztes Jahr ihre Premiere. Am 14.03. diesen Jahres veröffentlichte dann der deutsche Publisher peppermint anime das französich-japanische Koprodukt Mutafukaz auf DVD und Blu-Ray.  Uns wurde von peppermint anime die Blu-Ray Version zur Verfügung gestellt. Ob uns das französische Originalwerk überzeugen konnte, das erfahrt ihr in der Review.

Achtung! Diese Review kann Spoiler zur Handlung und den Charakteren enthalten!


Handlung

 
In Mutafukaz dreht sich alles um Angelino, ein eher schmächtiger Typ mit schwarzen Kugelkopf und riesigen weißen Augen, der nichts anderes möchte als in der brandgefährlichen Megalopole Dark Meat City, kurz DMC, über die Runden zu kommen. Er arbeitet als Pizzabote und versucht in keinster Weise die Aufmerksamkeit in den von Gangs und Gangstern beherrschten Straßen, die als farbenfrohe und verslumte Variation aus Los Angeles zu erkennen sind, auf sich zu ziehen. Als er sich aber eines Tages auf seinem Roller in ein junges Mädchen mit Minirock schockverliebt und im selben Moment frontal mit einem LKW kollidiert, wird alles anders – denn ab da an erkennt Angelino in Passanten plötzlich die Schatten mysteriöser Tentakelwesen.

 
Mit seinem besten Freund Vinz, dessen skelettierter Schädel von einer lodernden Flamme gekrönt wird, wohnt er zusammen in einer abgeranzten Wohnung, in der er am liebsten Wrestling – Shows schaut, während er hunderte Kakerlaken füttert, als wären es seine Haustiere. Als dann aber ein Elite – Polizeitrupp die Wohnung stürmt, stellt Angelino fest, dass er über exzellente Kampffähigkeiten verfügt. Von da an entbrennt ein rasantes Action – Abenteuer, in dem schwarzgekleidete Männer, Straßengangs, außerirdische „Machos“ und die Welt rettende Wrestling – Superhelden eine wichtige Rolle spielen.


 
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Film in vielerlei Hinsicht, mit seinen verschiedenen Facetten glänzt. Einerseits sieht man sehr viel GTA – Flair, von den Bandenkriegen, die hervorgehoben werden, durch die Unterscheidung der jeweiligen Banden, der typischen Farben Lila und Grün, bis hin zu Verfolgungsjagden. Andererseits bedient sich RUN mit visuell ähnlich vollgepackten in den Bildern versteckten Details, woran sich auch schon Hollywood – Größen, wie Steven Spielberg gewagt haben. Beispiele dazu wären zum einen, dass in den Kiosken von DMC Exemplare von „Life“, „Starlog“ und „GQ“ nebeneinander liegen, die in unserer Welt ganz selten am selben Ort anzufinden sind. Zum anderen liegt in einem Stadtbus ein wahnsinnig teures Exemplar, nämlich die „Showcase #4“, ein Silver-Age-Comic-Klassiker, einfach auf einem Sitz herum. RUN bediente sich ebenso typischen Elementen, die Quentin Tarantino in seinen Filmen verwendet, wie einer charakteristischen Erzählweise des Films. Die Arbeit beschränkt sich hierbei auf die Analyse der Charaktere, zeitliche Abläufe und verschiedene filmspezifische Narrationsformen, um den Rahmen und Umfang der Dialogfenster nicht zu sprengen. Auch Elemente vergangener Hochkulturen finden in das von RUN kreierte Werk, so sieht man  Bilder von aztekische Kriegern plötzlich aufflackern, gefolgt von weiteren Bildern der Wrestling – Superhelden und anderen Sachen, die schnell aneinander gereiht sind. Um dem ganzen noch einen drauf zu setzen, fließen selbst gesellschaftskritische Aspekte, wie die globale Erwärmung, in diesem Fall erzwungen durch die „Machos“, mit in das Filmkonzept ein. Wahrlich ein durchaus gelungenes facettenreiches und tiefgründiges Werk.


Charaktere

 

56931Angelino

ist ein junger Außenseiter, genau wie tausend andere in Dark Meat City. Am besten geht man Schwierigkeiten aus dem Weg, in diesem Fall kampflustige Banden, indem man sie gar nicht beachtet und mit gesenkten Haupt durch die verranzten Straßen von DMC schlendert. Er lebt mit seinem besten Freund Vinz in einem heruntergekommenen Hotel, im lateinamerikanischen Viertel Rios Rosas. Seine einseitigen Tage bestehen lediglich aus langweiligen Jobs (mehr als 3 Wochen bleibt er nie in einem Job, da er es immer vergeigt), Zapping, mexikanisches Wrestling und nächtlichen philosophischen Diskussionen mit seinen Freunden Vinz und Willy. Da sein Leben schon monoton vorkommt, wirkt er selbst auch eher lethargisch. Als hätte er sich mit seinem Schicksal schon abgefunden.

56931Vinz

ist der beste Freund und Mitbewohner von Angelino. Obwohl er nicht die gleiche Zuneigung zu den Kakerlaken hegt wie Angelino, wohnt er dennoch mit ihm zusammen. Er ist argwöhnisch und von Natur aus ängstlich, er sorgt sich besonders um Angelinos Geisteszustand seit dem Unfall. Er versucht ihn aus seiner Depression heraus zu holen und merkt dann allerdings schnell, dass die beiden sich in großer Gefahr befinden und das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht.

56931Luna

ist eine bezaubernde junge Latina, die Angelinos Herz gestohlen und gleichzeitig seinen Unfall verursacht hat. Es ist wirklich schwierig sich ein genaues Bild von ihr zu machen und sie zu ergründen, da sie nicht viel von sich preisgibt und ihre wahren Intentionen nicht verrät. Dennoch kreuzen sich derer beiden Wege etliche Male im Abenteuer und scheinen irgendwie miteinander verzweigt zu sein. Ob es Schicksal ist oder doch durch dunklere Mächte erzwungen ist, lassen wir hierbei aus.

56931Bruce Macchabee

ist der Antagonist im Film. Er ist der Anführer der Männer in schwarz oder auch „Machos“ genannt. Er ist erbarmungslos, erkennt man allein schon an der Verfolgungsjagd und zu unvorstellbarer Brutalität fähig, was man auch im ganzen Film nachverfolgen kann. Dementsprechend ist Macchabee sowohl von seinen Feinden als auch seinen Verbündeten gefürchtet.


Bild und Animation

 
Auch filmsprachlich spielt Mutafukaz bei den ganz großen mit. Von Schwarzweißbildern, über Split – Screens und Zeitlupen, bis hin zu klassischen Western – Showdowns, hier verpackt im GTA – Flair, ist wirklich alles vorhanden, was man von einem Action – Film erwartet. Ebenso auffällig ist der Kontrast der hochgradig stilisierten Protagonisten Angelino und Vinz zu der oftmals nahezu realistischen Welt um sie herum. Angelino, seine Kumpels Vinz und Willy, sowie die geheimnisvolle schöne Luna entsprechen zwar dem Muster der sogenannten Chibis, trotzdem sind sie nicht wie die meisten klassischen Chibis einfach nur supersüß, sondern strahlen die Underground – Mentalität des französischen Comiczeichners Guillaume „Run“ Renard aus. Angelino hat einen schwarzen Kopf mit großen Augen, Vinz erinnert mit seinem flammenden Totenschädel, auf den seine Umwelt kaum reagiert, an eine Cartoon – Version des Marvel – Antihelden Ghost Rider. Und Willy ist im Grunde so was wie eine Fledermaus. Actiongeladene Szenen wirken durch obszöne Darstellungen oftmals skurril und die simpel gehaltene Darstellung der Protagonisten im Gegensatz zur detailreichen Umgebung und dem Setting eher grotesk. Dennoch passt alles in dieser bizarren erfundenen Welt zusammen, so dass sich hier nichts Negatives sagen lässt. Die übertriebene und überspitze Darstellung im Film geht Hand in Hand mit der tiefgründigen Geschichte um Angelino und die „Machos“, wer die sind, was die wollen und welchen Hintergrund das ganze Komplott hat.


Sound und Synchronisation

 
Bei Mutafukaz hat man die Wahl zwischen originaler französischer Tonspur mit deutschen Untertiteln oder der deutschen Synchronisation. Die deutsche Sprachfassung entstand bei den Oxygen Sound Studios in Berlin unter der Regie von Christian Zeiger.

Sprecher Portfolio:

Charakter Rolle
Angelino
Kim Hasper
Bruce Macchabee Thomas Nero Wolff
Vinz
Gerrit Schmidt-Foß
Willy David Turba

Die Synchronsprecher haben allesamt eine sehr gute Leistung hingelegt, jeder konnte die spezifischen Charaktereigenschaften seiner Rolle gut vertonen. Beispielsweise Willys Lispeln und aufgeregte, panische Art oder Angelinos lethargische, gleichgültige Einstellung wirken sehr authentisch. Ebenfalls bei der Vertonung des Bösewichts Bruce Macchabee kam richtiges Gangsterfeeling rüber.

Der Soundtrack des französischen DJs „The Toxic Avenger“ ist die perfekte Wahl zum Film. Hip Hop-, Trance- und Dubstep – Elemente fließen zur perfekten Background – Musik für dieses bizarre, actiongeladene Abenteuer zusammen. Bei schnellen Szenen hört man Dubstep und Drum ’n Bass im Hintergrund, bei Straßenkeilereien Hip Hop und bei grotesken Szenen kann man Trance heraushören. Jede Musikrichtung wurde sehr gut zur passenden Szene eingesetzt.


Allgemeine Informationen

A Chivalry of a Failed Knight DVD Cover
Veröffentlichung: 14. März 2019

Sprache: Deutsch, Französisch

Untertitel: Deutsch

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Publisher: peppermint anime

Produktionsjahr: 2017

Spieldauer: 94 Minuten

Genre: Action, Sci-Fi

Quellen: peppermint anime, Ankama, Amazon
Bilder: ©peppermint anime, ©Studio4°C, ©Amazon, ©Ankama

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