Review: RahXephon Collector’s Edition Blu-Ray

   Dienstag, 18. Februar 2020   ,
RahXephon

Am 06. Februar veröffentlichte Anime- und Japan-Spezialist Nipponart den Anime RahXephon auf DVD und erstmals auch auf Blu-Ray. Die 26-teilige Serie wurde unter der Leitung von Yutaka Izubuchi in der Animationsschmiede Bones produziert, welche unter anderem auch für Werke wie CHAIKA und EUREKA SEVEN bekannt ist. Für das Charakterdesign zeigte sich Akihiro Yamada verantwortlich, während Ichiko Hashimoto für den überwältigenden Soundtrack der Serie zuständig war und dem Anime wahrlich Leben einhauchte.

Eine deutschsprachige Erstaustrahlung fand im Zeitraum vom 07. Juni 2010 bis zum 13. Juli. 2010 auf Animax statt. Desweiteren inspirierte RahXephon, welcher 2002 erschien, ein Jahr darauf zu einer Spin-Off Serie, später dann noch zu einem Film, insgesamt drei Computerspielen, ebenso auch zu einem Playstation 2 und PSP-Spiel und sogar zu Hörspielen und illustrierten Büchern.

Nipponart präsentiert alle 26 Episoden des Anime zum ersten Mal in einer exklusiven Gesamtausgabe als Collector’s Edition! Uns wurde eben diese zur Verfügung gestellt. Ob uns die mitreißende Sci-Fi-Saga überzeugen konnte, das erfahrt ihr in der Review!

Achtung! Diese Review kann Spoiler zur Handlung und den Charakteren enthalten!


Handlung

 
Die Geschichte startet in Tokio Anfang des 21. Jahrhunderts. Ayato lebt in einer Welt, in der bis auf Tokio alles von Invasoren zerstört wurde – Milliarden von Menschen. Als jedoch die anscheinend feindliche Agentin Haruka kommt, um ihn zu fangen und behauptet, seine Welt sei eine Lüge und Tokio eine Illusion, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Er ist der Schlüssel, um die wahren Invasoren, die blaublütigen Mulianer, die Tokio kontrollieren, zu besiegen, denn er ist ein Instrumentalist, der sich mit der gottähnlichen Maschine RahXephon synchronisieren kann. Zusammen mit Haruka gelangt er in die Welt außerhalb Tokios, welche er für zerstört hielt, nun aber feststellen muss, dass diese noch gut in Takt und nur Tokio vom Rest der Welt abgeschottet ist. Nun befindet er sich in einem fremden Land, seine Freunde, seine Schule und sein Leben sind immer noch in der Illusion Tokios gefangen und noch kann er so richtig niemand vertrauen. Es beginnt ein Kampf zwischen den Mu und der UN-Organisation TERRA, der mit Kampfrobotern ausgetragen wird und Ayato ist mitten drin.


 

Gemeinsam landet man im futuristischen Tokio, in einer Welt in der Kämpfe mit Kampfrobotern ausgetragen werden. Generell springt man schnell ins Hauptgeschehen hinein und etliche Charaktere werden schnell vorgestellt. Ayato übernimmt die Rolle als archetypischer widerstrebende Held, der mit viel zu wenig Erklärungen gezwungen wird einen Krieg beizuwohnen und dennoch obwohl er ja so eine große Rolle für die Menschheit spielt, stets nur als Kind behandelt wird. Auf jeden Fall eine kontroverse Geschichte. Im Gegensatz zu anderen archetypischen Helden in diversen Anime, die aufgrund ihrer Persönlichkeiten schnell langweilig werden können, ist das bei Ayato nie der Fall. Allein durch die vielen Prüfungen und Entscheidungen, die er treffen muss, wird sein Verstand sooft bedrängt und an den Rand gedrängt, sodass emotionale Szenen entstehen, die jeden normalen Mann längst gebrochen hätten.

In der Serie trifft man ein breites Spektrum an Charakteren, die gut in die jeweiligen Nischen unterteilt wurden sind. So gibt es die Eifersüchtigen, die Gierigen, die Naiven, die Mysteriösen, die Zähen und viele mehr. Jeder Charakter ist interessant mit Schattierungen von Gut und Böse in Szene gesetzt wurden. Im Laufe der Serie verbringt man mit jedem Charakter so viel Zeit, so dass der Eindruck entsteht, dass jeder eine vollständige Hintergrundgeschichte hat. Jedoch wird nicht jede Hintergrundgeschichte offensichtlich gezeigt, bei vielen bedarf es eine genaue Analyse, um diese aufzudecken. Jede Szene versteckt etwas Wichtiges, notwendig um das ganze Puzzle zusammen zu fügen. Ein vorübergehender Kommentar hier, eine ungewöhnliche Reaktion da. Wenn man diese Details nicht bemerkt, funktionieren die jeweiligen Charaktere immer noch, aber wenn man sie doch bemerkt, haucht es ihnen umso mehr Leben ein und macht die Serie sehr viel komplexer und lebendiger.

Der Charakter jedes einzelnen hat in der Serie einen viel höheren Stellenwert als physische Kriterien. Denn wenn zum Beispiel eine Bedrohung auftritt, liegt der eigentliche Kampf in der Psychologie und nicht immer nur der von Ayato, sondern auch von anderen, was daher oft zu Konflikten führt. Wer hier Mecha-Kämpfe a lá Evangelion erwartet, wird enttäuscht sein. Denn sobald der mentale Kampf gelöst ist, endet der Kampf etwas zu schnell und manchmal sogar mit nur einem Angriff, was teilweise nicht sehr realistisch oder gar zu überspitzt dargestellt erscheint. Es fehlt teilweise das physische Spektrum, besonders wenn man dieses hervorragende künstlerische Design und den bezaubernden Soundtrack zur Verfügung gestellt hat. Dieses einzige Kriterium gelöst und die Serie wäre eine runde Sache geworden.

Äußerst wichtig ist für die gesamte Serie das Musikmotiv und wird mit erheblichen Wirkung zur Vermittlung von Psychologie verwendet, welches den Zuschauer oft beunruhigen kann. Teilweise steigt ein Gefühl von Unwohl auf, was wiederum dazu führt, dass man mit dem Protagonisten und seinem Leiden eins zu eins mitfühlt, quasi mitgerissen wird und nicht nur als lethargischer Beobachter agiert. Der Soundtrack selbst scheint eine Geschichte zu erzählen. Musik steuert die Maschinen und verändert die Welt und jeden Einzelnen, der in dieser wohnt. Musik und Töne sind Macht.

Die Serie ist so komplex aufgebaut, jedes Element arbeitet in Harmonie. Auf jeden Fall nichts für leichte Gemüter. Daher ist die Altersvorgabe von 12 berechtigt, eventuell hätte man dies wegen dem psychologischen Aspekt sogar ab 16 deklarieren können. Aber an sich insgesamt alles eine Runde Sache und definitiv sehenswert.


Charaktere

 

56931Ayato Kamina

ist der Protagonist des Anime und führte zu Beginn der Serie noch ein ganz normales Leben mit dem Wunsch später mal Maler zu werden. Sein Leben nimmt eine große Wende als seine Heimatstadt Tokyo von unbekannten Aggressoren angegriffen wird und er während seiner Suche nach Gründen auf das Mädchen Reika Mishima trifft. Zunächst erkennt er sie nur als seine Klassenkameradin, zugleich sieht er in ihr aber auch das Mädchen, welches er immer wieder auf seinen Bildern malt. Als er durch sie schließlich zu RahXephon, den er als eine neue Kriegsmaschinerie betrachtet, gelangt und kurz daraufhin erkennen muss, dass seine Mutter – die fast nie zu Hause ist – sich als jemand anderes entpuppt als er bislang dachte, gerät seine ganze Welt durcheinander. Um Antworten auf all diese Fragen zu finden, beschließt er mit Haruka Shitou, die ihn die letzten Tage beschattet hat und ihm versprach welche zu liefern, mit nach TERRA zu gehen.

Für Ayato ist es schwer sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden, er selber sah sich bisher als normalen Jungen an, doch bei TERRA wird er teilweise wie ein Aussätziger, aber auf keinen Fall wie ein Mensch behandelt. So entstehen bei ihm große Selbstzweifel und vor allem stellt sich ihm die eine entscheidende Frage, wer oder was er überhaupt ist, was ihm Angst macht. Dazu kommt noch das Gefühl von allen und jedem verraten worden zu sein, wie seiner Mutter oder nun Haruka, die ihm einige Antworten schuldig bleibt und er nun glaubt sie würde ihn genauso bzw. seine Fähigkeit RahXephon zu steuern ausnutzen wie die meisten anderen bei TERRA. Halt findet er in der Zeit vor allem bei Harukas verständnisvollem Onkel, ihrer Schwester Megumi, die ihn wie einen normalen Jungen behandelt und auch bei Quon, die ihn als einzige genau zu verstehen können scheint, so als wüsste sie mehr.

Nichtsdestotrotz beschließt Ayato weiterhin gegen die Dolems, die feindlichen Maschinen, zu kämpfen. Nicht weil er glaubt jemandem etwas schuldig zu sein, sondern weil er der einzige ist, der RahXephon steuern und somit die Gefahr bändigen kann.

 

56931Haruka Shitou

Haruka Shitou wird damit beauftragt Ayato Kamiragi aus Tokyo Jupiter herauszuholen und ihn zu TERRA zu bringen, der Organisation für die sie arbeitet und die sich der Verteidigung der Erde vor den Mulian verschrieben hat. Nachdem es ihr trotz einiger Hindernisse tatsächlich gelingt, wird entschieden, dass Ayato fortan bei ihr leben soll.

Sie ist eine äußerst pflichtbewusste Person, und wenn es nach ihrer jüngeren Schwester Megumi geht, ein ebensolcher Workaholic – die sich aber andererseits in gewissen Situation äußerst kindisch und mädchenhaft verhalten kann. Zugleich sind ihr Freunde, wie etwa Pilotin Elvy Hadhiyat, und Verwandte sehr wichtig. So übernimmt sie für Megumi, zu deren Leidwesen, praktisch die Rolle der nicht vorhandenden Mutter, aber auch gegenüber Ayato zeigt sie sich besonders einfühlsam und interessiert. Dass Haruka sowieso generell betrachtet ein sehr emotionaler Mensch ist, sieht man daran, dass es sie sehr verletzt als sie von Ayato abgewiesen wird, der glaubt sie würde ihn genauso ausnutzen wie die meisten anderen von TERRA. Allerdings wird schnell deutlich, dass bei Haruka noch weit mehr dahintersteckt als bloße Emotionalität, so spielen bei ihr Gefühle eine Rolle von denen nicht einmal ihre Schwester weiß.

 

56931Reika Mishima

Auf seinem Erkundungstrip nach dem Angriff auf Tokyo trifft Ayato dieses Mädchen. Zunächst erkennt er sie nicht, doch als sie sich umdreht, sieht er in ihr seine Klassenkameradin Reika Mishima, die er nun natürlich versucht in Sicherheit zu bringen. Trotzdem erscheint sie äußerst rätselhaft. Nicht nur, dass Ayatos Freunde Hiroko und Mamoru zuerst absolut davon überzeugt sind von ihr noch nie etwas gehört zu haben, um dann im nächsten Augenblick, als sie den Raum betritt, sich sofort an sie zu erinnern so als ob nichts gewesen sei. Reika ist auch jene Person, die Ayato schließlich zum Raum des Rah führt, dort wo sich RahXephon befindet, und zwischen denen es eine offensichtliche Verbindung gibt. Dass Ayatos erste Begegnung mit ihr praktisch genau dem Bild entspricht, das er erst am gleichen Morgen zu Ende gezeichnet hat, rundet da nur das ganze Mysterium um sie ab.

Obwohl Reika aber viele Fragen offen lässt und für ihn mehr in Rätseln spricht als klare Antworten zu liefern, schenkt Ayato ihr sein Vertrauen, was auch daran liegt, dass er eine bestimmte Verbindung zwischen sich und ihr fühlt und gleichzeitig hofft, dass sie ihm irgendwann all die Antworten liefern wird, die sich ihm stellen, seitdem er Tokyo Jupiter verließ. Allerdings ist das leichter gesagt als getan, denn so plötzlich und unerwartet sie auftaucht, so schnell verschwindet sie auch wieder.

 

56931Quon Kisaragi

Quon ist die jüngere Schwester von Itsuki Kisaragi und lebt mit diesem etwas abseits von der Kommandozentrale TERRAs. Sie ist ein überaus freundliches, liebreizendes und aufrichtiges Mädchen, das beim restlichen Personal äußerst beliebt ist und sogar ihre eigenen Fans hat. Quon ist auch eine der wenigen, die Ayato absolut vorurteilsfrei begegnen. Darüber hinaus zeigt sie nicht nur Verständnis für seine Situation, sie kann diese sogar nachempfinden und weiß scheinbar ganz genau welche Rolle er im ganzen Theater spielt – sie ist außer Reika Mishima die einzige die ihn mit Ollin anspricht. Das macht sie für Ayato natürlich sehr interessant, weshalb ihre Beziehung zueinander auch sehr stark ist und sich erhofft von ihr mehr zu erfahren. Das ist aber leider leichter gesagt als getan, denn Quon neigt dazu sehr kryptisch zu sprechen, was für Ayato kaum einen Sinn ergibt.

Aber nicht nur in diesen Punkten umgibt Quon ein großes Mysterium, bei dem auch Itsuki nicht weiterhelfen möchte. Genauso wie Ayato trägt sie nämlich ebenfalls ein besonderes Mal auf ihrem Bauch, von dem sonst, ausgenommen von Assistentin Sayoko Nanamori, keiner weiß. Zudem scheint sie sehr musikaffin zu sein, sie kann nicht nur selber ausgezeichnet auf Violine und Piano spielen, sie hört auch gerne der Musik von anderen zu. Ihr Standardausdruck ist der Wortlaut Ra-ra, der meistens dann zu Geltung kommt, wenn etwas sie überrascht oder bei ihr auf Interesse stößt.

 

Die gesamte Serie ist durch zahlreiche, komplexe Charaktere geschmückt wurden, hier jedoch alle aufzuzählen wäre kontraproduktiv. Diese Vier bilden den Dreh und Angelpunkt des Anime und sind am wichtigsten für die gesamte Handlung. Daher belassen wir es bei den Vieren.


Bild und Animation

 
Das Bild des Anime kommt im Bildformat 4:3 bei einer Auflösung von 1080p daher, was nicht weiter verwunderlich ist, da der Anime mit seinem Erscheinungsjahr von 2002 zu der alten Sorte gehört. An sich wird alles realitätsnah dargestellt. Nahaufnahmen sind gut animiert, jedoch fehlen bei langen Aufnahmen einige Bewegungdetails. Das Charakter- und Mechadesign ist sehr kreativ gehandhabt. Jedes Konstrukt und jeder Charakter erzählt allein durch deren Aussehen eine Geschichte. Allein beim Design von RahXephon merkt man, dass ägyptische und aztekische Einflüsse vorhanden sind, jedoch könnten teilweise seine Bewegung flüssiger animiert werden, damit das großartige Design auch seine Wirkung erfüllt. Nichtsdestotrotz wurde im Anime hervorragend mit Farbe gearbeitet, um eine passende Atmosphäre zu schaffen.


Sound und Synchronisation:

 
Bei RahXephon hat man die Wahl zwischen der originalen japanischen Tonspur mit deutschen Untertiteln oder der deutschen Synchronisation. Es liegt ebenfalls noch eine französische Audiospur mit wahlweise französisch oder niederländischen Untertiteln vor. Die deutsche Sprachfassung entstand im münchner Studio Circle of Arts, Regie führten hierbei Susanna Sandvoss und Detlef klein.

  • Ayato Kamina – Daniel Krause
  • Haruka Shitou – Susanna Sandvoss
  • Quon Kisaragi – Beate Pfeiffer
  • Sayoko Nanamori – Alisa Palmer
  • Reika Mishima – Maren Rainer
  • Hiroko Asahina – Caroline Combrinck
  • Makoto Isshiki – Armin Berger

 
Die Synchronsprecher haben allesamt eine sehr gute Leistung hingelegt, jeder konnte die spezifischen Charaktereigenschaften seiner Rolle gut vertonen. Es gab keine ungewöhnlich verschachtelte Dialoge, jedoch ab und zu Schnittfehler. Die Emotionen der Charaktere konnten vom deutschen Cast sehr gut eingefangen werden. Speziell Daniel Krause konnte mit seiner Synchronisation von Ayato enorm überzeugen. Allgemein liegen der japanische sowie der deutsche Ton in DTS-HD MA 2.0 vor. Es entsteht somit kein Raumklang, was aber nicht negativ zu bewerten ist.

RahXephon hat einen der besten Soundtracks, die je für Anime komponiert wurden sind. Ichiko Hashimoto hat als Komponist sicherlich eine schwierige Aufgabe gehabt, diese aber mit Bravur geleistet. Vom Opening Hemisphere, komponiert von Yoko Kanno und gesungen von Maaya Sakamoto, teils auch instrumental wiedergegeben, bis zu beiden Endings Yume no Tamago von Ichiko Hashimoto und Mayumi Hashimoto, sowie Before you know von Ichiko Hashimoto, bietet die Serie eine breite Palette an Musik: romantisch, mysteriös, beunruhigend, beängstigend, beruhigend, sinnlich, energetisch. Der Einsatz von Klavier, Orgel, Geige, Oper und Chor verleihen der Erzählung mehr Nachdruck und Emotion.


Extras

 
In der Collector’s Edition von RahXephon durch Nipponart erhaltet ihr zusätzlich zur hinreißenden Sci-Fi-Saga drei Sticker. Künstlerisch ist die Gesamtausgabe ein Augenschmaus, aber überzeugt euch selbst!


 

Opening:

 

Ending:

 


Allgemeine Informationen

A Chivalry of a Failed Knight DVD Cover
Veröffentlichung: 06. Februar 2020

Sprache: Deutsch, Japanisch

Untertitel: Deutsch

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Publisher: Nipponart

Produktionsjahr: 2002

Spieldauer: ca. 650 Minuten

Genre: Science Fiction, Mecha, Abenteuer, Romance

Quellen: Nipponart, aniSearch (Charakterbilder), Amazon
Bilder: ©Nipponart, ©Amazon, ©2001 BONES·Yutaka Izubuchi/Rahxephon project

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