Review: Yakuza 6 – The Song of Life

   Dienstag, 1. Mai 2018   ,
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Im Jahre 2005 wurde der Grundstein zu  einer Geschichte gelegt, welche den schmalen Grat von Kriminalität und Rechtschaffenheit aufzeigte: die Yakuza-Reihe. Nach mehr als zehn Jahren kam die Geschichte rund um Kazuma Kiryu, dem Drachen von Dojima, mit Yakuza 6 – The Song of Life zu einem Ende.

Das Spiel erschien hierzulande am 17. April exklusiv für die PlayStation 4. Für Yakuza 6 hat das verantwortliche Studio Ryū ga Gotoku eine neue Engine entwickelt, welche den passenden Namen Dragon-Engine trägt. Mit dieser Engine war es dem Team von Toshihiro Nagoshi möglich ein komplett neues Yakuza-Erlebnis zu erschaffen. Sega Europe hat uns freundlicherweise vorab ein Exemplar des letzten Kapitels von Kazuma Kiryu zukommen lassen. Wir haben das Spiel auf Herz und Nieren geprüft und werden euch Klarheit darüber verschaffen, ob das Finale Kapitel der Legende des Drachen von Dojima gerecht wird.

Achtung! Diese Review kann Spoiler zur Handlung und deren Charaktere beinhalten!


Story:

Kazuma Kiryu liegt nach seinem letzten großen Kampf auf der Intensivstation eines Tokioter Krankenhauses. Trotz seines komatösen Zustandes lässt es sich die Polizei nicht nehmen den ehemaligen Yakuza festzunehmen. Kiryu wandert ins Gefängnis in welchem er, unmittelbar nach der Inhaftierung, von seiner Adoptivtochter und dem ehemaligen Idol Haruka besucht wird. Sie spricht mit ihm darüber, dass sie sich bei ihrem letzten Auftritt dazu bekannt hätte, die Adoptivtochter eines Yakuzas zu sein und dass sie das Leben als Idol aufgegeben hat. Kiryu akzeptiert Harukas Entscheidung und ist sichtlich gerührt. Nach dem Gespräch verlässt Haruka das Gefängnis, um wieder nach Okinawa zurückzukehren. Dort befindet sich das von Kiryu gegründete Waisenhaus Morning Glory. Doch leider bekommen Paparazzi schnell Wind von ihrer Rückkehr nach Okinawa. Um das Waisenhaus vor den Medien zu schützen, beschließt Haruka erst einmal abzutauchen, bis Kiryu seine Strafe abgesessen hat.

Startbildschirm von Yakuza 6 – The Song of Life.

Vier Jahre später, im Jahr 2016, ist Kiryu endlich wieder ein freier Mann. Er verliert keine Minute um seine „Kinder“ in Okinawa aufzusuchen. Doch wie er feststellen muss, ist Haruka dort nicht aufzufinden. Er befragt die Kinder, wo sie denn hin ist. Diese wissen es aber selber nicht, nur das Haruka sagte mit Kiryu zurückzukommen. Kiryu beschließt seinen bekannten Shun Akiyama anzurufen. Diesen kann er aber ebenfalls nicht erreichen. Verwundert über die jüngsten Ereignisse begibt sich Kiryu in seine ehemalige Yakzua Umgebung: das Rotlichtviertel Kamurocho in Tokio. Dort versucht er Akiyama aufzufinden. Dieser ist aber aufgrund der Aktivitäten der Triaden, einer mafiaähnlichen chinesischen Organisation, abgetaucht, da diese seinen Kopf wollen. Nachdem Kiryu ihn in der Kanalisation von Kamurocho ausfindig machen konnte bekommt Kiryu einen Anruf von dem Polizei-Ermittler Makoto Date. Haruka wurde nach einem Autounfall mit Fahrerflucht mit schweren Verletzungen in ein Tokioter Krankenhaus eingeliefert. Aber es gibt noch etwas anderes, was er mit ihm besprechen muss. Im Krankenhaus angekommen erzählt Date, dass sich Haruka noch in Lebensgefahr befindet. Doch Haruka war bei dem Unfall nicht alleine. Date führt Kiryu auf die Kinderstation. Dort befindet sich der einjährige Sohn von Haruka mit dem Namen Haruto. Der Vater ist leider unbekannt. Kiryu ist schockiert. Was ist in den vier Jahren Haft alles passiert? Haruka übersteht die Not-OP und wird in ein künstliches Koma versetzt. Als es um den Verbleib von Haruto geht, übernimmt Kiryu die Obhut für den Kleinen. Date konnte eine Spur zu Harukas letzten Aufenthaltsort ausfindig machen. Sie soll vor ihrem Wiedereintreffen in Kamurocho in der Hafenstadt Onomichi der Präfektur Hiroshima gelebt haben. Kiryu beschließt mit Haruto zusammen nach Onomichi zu reisen, um dessen Vater ausfindig zu machen.

YAKUZA 6: The Song of Life_20180413161738Haruto, der Sohn von Kiryus Adoptivtochter Haruka.

Wie bereits bei den anderen Yakuza Titeln ist die Story von Yakuza 6 – The Song of Life ein Roman-reifes Werk. Man kann als Yakuza-Neuling zwar im ersten Moment nicht viel mit den Charakteren und deren Hintergründen anfangen, aber für dieses Problem hat das verantwortliche Entwicklerteam eine Lösung eingebaut. Im Startmenü findet man den Menüpunkt Memories, in welchem sich Kurzfassungen der bereits erschienen fünf Yakuza Spiele in Form einer Visual Novel befinden. Somit ist es euch möglich euch auch ohne das Beenden früherer Titel in der Story zurechtzufinden. Die Handlung beginnt mit Dramatik und bleibt dieser auch während des gesamten Verlaufs der Geschichte treu. Dabei wird mehr und mehr gezeigt, dass Kiryu kein gewöhnlicher Yakuza ist, sondern ein sehr einfühlsamer Mensch, welcher endlich zur Ruhe kommen möchte. Das letzte Kapitel des Drachen von Dojima wird wunderschön erzählt und man ist ein wenig traurig, dass dies die letzte Geschichte über seine Legende sein wird.


Charaktere:

Kazuma Kiryu „Der Drache von Dojima“

YAKUZA 6: The Song of Life_20180413171050Geboren im Jahr 1968 verlor er als Kind seine Eltern und wuchs in einem Tokioter Waisenhaus namens Sunflower auf, welches von seinem Ziehvater und Patriarch der Kazama-Familie, Shintaro Kazama  aufgekauft und betrieben wurde. So wurde Kiryu auch zu einem Yakuza und machte sich schnell einen Namen innerhalb des Tojo-Clans, einer der drei Yakuza Fraktionen in Japan. Durch das Drachen-Tattoo auf seinem Rücken wurde er schnell als Drache von Dojima berühmt und berüchtigt. Im Alter von 27 Jahren trifft er das Mädchen Haruka Sawamura, welche die neunjährige Tochter seiner einzig wahren Liebe, Yumi Sawamura ist. Als Yumi in Kiryus Armen stirbt, verspricht er ihr, sich fortan um Haruka zu kümmern. Vor seiner Inhaftierung im Jahr 2012 war er der vierte Vorsitzende des Tojo-Clans. Doch er legte sein Amt als Yakuza nieder, um endlich in Frieden leben zu können. Nach seiner Haftstrafe wollte er eigentlich zusammen mit seiner Adoptivtochter Haruka ein normales Leben abseits des Tojo-Clans führen. Doch leider kommt alles anders und er ist schnell gezwungen wieder als Drache von Dojima auf die Straßen Tokios zurückzukehren.

Haruka Sawamura

Haruka_SawamuraSie ist die Tochter von Yumi Sawamura, welche Kiryus frühere Liebe war. Im Alter von neun Jahren flüchtet sie aus dem Waisenhaus, um ihre Mutter zu finden. Auf ihrer Suche in Kamurocho trifft sie auf Kazuma Kiryu, welcher sich sofort sehr liebevoll um sie kümmert. Als die beiden Yumi letztendlich finden, wird diese von Harukas biologischen Vater niedergeschossen. Nach dem Tod ihrer Mutter wird sie von Kiryu wie seine leibliche Tochter aufgezogen. Sie träumte davon ein Idol zu werden und schaffte es auch entdeckt zu werden. Doch der Preis dafür war sehr hoch, weil sie mit ihrem Ziehvater Kiryu brechen musste. Im Jahr 2012 offenbarte sie dann der japanischen Welt, dass sie von einem Yakuza aufgezogen wurde und als Idol aufhören möchte, um fortan wieder mit ihm zusammenleben zu können.


Auch wenn es sehr viele nennenswerte Charaktere in The Song of Life gibt werden hier aus Spoilergründen nur Haruka und Kiryu erwähnt. Das Geflecht aus den handelnden Personen mag anfangs etwas verwirrend sein, wird aber im Verlauf der Handlung immer mehr miteinander verwoben, damit alles einen Sinn ergibt. Das Team von Yakuza hat hier wieder eine außerordentliche Leistung geliefert. Die Charaktere fesseln einen geradezu und man vermag sogar für den ein oder anderen Antagonisten im Handlungsverlauf Mitgefühl zu empfinden.


Gameplay:

YAKUZA 6: The Song of Life_20180413170045Auch in Yakuza 6 ist das Smartphone ein unabdingbarer Begleiter.

Die Yakuza-Reihe hat einen Teil ihrer Wurzeln bei der Shenmue-Reihe aus dem Jahr 1999. Deshalb ist das Gameplay-Erlebnis sehr umfangreich. Denn abseits der Hauptstory gibt es viel zu entdecken und zu erleben. Es wird quasi nie langweilig in Kamurocho oder Onomichi. Hier kommt auch ein wichtiger Kontrast zur Sprache. Denn die beiden Orte unterscheiden sich um Längen. Während Kamurocho mit schillernder Neonlicht-Beleuchtung und Club-Musik das Tokioter Nachtleben bezeugt, ist es in Onomichi eher ruhig und gediegen, fast wie ein Entspannungs-Urlaub am Meer. Zwar können die Karten nicht mit Titeln wie GTA V oder Skyrim mithalten, sind dafür aber originalgetreu nachgebildet und glänzen mit vielen liebevollen Details. Die Handlung wechselt dabei zwischen den beiden Orten, wodurch immer Abwechslung geboten ist.

Der Drache von Dojima ist zurück!

 

Kiryu trägt den Titel Drache von Dojima nicht ohne Grund. Er ist bekannt dafür ein sehr starker und unerschütterlicher Gegner zu sein. Deswegen ist auch in The Song of Life das Motto: Wer nicht hören, will muss fühlen. Denn auf den Straßen von Kamurocho oder in den Gassen von Onomichi warten Yakuza, Betrunkene, Schläger und Ähnliche darauf, Kiryu zu einem kleinen Geplänkel aufzufordern. Durch die neue Dragon-Engine springt das Spiel vom Aufeinandertreffen direkt in den Kampf. Und in diesem gibt es neben den Gegnern auch andere Dinge die etwas abbekommen können. Denn auch die Umgebung wird bei den Kämpfen in Mitleidenschaft gezogen. So kann man den Gegner in den Supermarkt locken, um ihm dort in die Regale zu werfen. Dabei fliegen nicht nur die Herausforderer in der Gegend herum, sondern auch die Waren der Regale. Leider ist das Kampfsystem manchmal etwas wild. Gerade wenn man mit Verbündeten gegen eine ganze Horde von Gegnern antritt, kann dies etwas unübersichtlich werden. Aber trotz alledem ist das verbesserte Kampfsystem wirklich gelungen.

Keine Lust auf Story? Dann auf in die Arcade! Oder doch lieber Karaoke?

Eines der vielen Arcade-Mini-Games: Virtua Fighter V

Wie bereits erwähnt gibt es neben der Haupthandlung genug, um sich anderweitig die Zeit zu vertreiben. Von Baseball zu Karaoke zu Virtua Fighter V Final Showdown. Es gibt eigentlich nichts, was das Spiel nicht bedacht hat. Aber nicht nur die vielen Mini-Games sorgen für Abwechslung. Neben diesen gibt es noch die Substorys und die Troublr-App. Substorys sind, wie der Name schon sagt, Nebenhandlungen die nach und nach während des Spiels gestartet werden. Wann ihr diese erledigen möchtet, ist euch überlassen. Bei den Troublr-App-Missionen sieht es hingegen etwas anders aus. Diese werden per Zufall ausgelöst und müssen nach Annahme sofort erfüllt werden. Solltet ihr während einer Troublr-App Mission eine Haupt- oder Substory starten, gilt die Troublr-App Mission als fehlgeschlagen und erscheint erst später wieder.

Kiryu als Ono Michio-kun, das Maskottchen von Onomichi

Das Gameplay bietet viel Abwechslung und es wurde nie langweilig. Wer sich Zeit für das Spiel nimmt, hat bestimmt Beschäftigung für mindestens 60 Spielstunden. Bis auf das hin und wieder unübersichtliche Kampfsystem war es ein Vergnügen mit Kiryu durch die Bars und Hostessen Clubs von Kamurocho zu schlendern oder in Onomichi als dessen Maskottchen Ono Michio-Kun die Kinder zu begeistern. Fans der Reihe werden begeistert sein und die Yakuza-Neulinge unter euch werden sich über das abwechslungsreiche Gameplay bestimmt freuen.


Grafik:

YAKUZA 6: The Song of Life_20180421145659 Das Rotlichtviertel Kamurocho bei Nacht.

Was die Grafik von Yakuza 6 – The Song of Life angeht, gibt es eigentlich kaum etwas zu bemängeln. Die hauseigene Dragon-Engine beweist, dass auch Yakuza im Zeitalter der fast fotorealistischen Grafik angekommen ist. Das Spiel sieht einfach einmalig aus. Doch leider gibt es hier ein kleines „aber“ einzufügen. Denn leider läuft das Spiel nicht durchgehend mit 60 FPS. Gerade bei Kämpfen, bei welchen viele Spielfiguren beteiligt sind und die Umgebung regelrecht auseinander genommen wird, kann es ab und an zu einem Framerate Verlust kommen. Der ist zwar nicht sehr lange, mindert aber trotzdem das Gesamtpaket. Und auch die Charaktere wirken in den nicht Kinogleichen Story Sequenzen etwas roboterähnlich. Dennoch überzeugt das Gesamtbild. Es wurde auf viele liebevolle Details geachtet und auch das Motion-Capturing einzelner Personen ist sehr gelungen. Wir können gespannt sein, was das Studio Ryū ga Gotoku mit dieser Engine als nächstes entwickelt.


Sprachausgabe:

YAKUZA 6: The Song of Life_20180414202237Leider verfügt Yakuza 6 nur über englische Bildschirmtexte.

Jetzt wird ein Punkt angesprochen, welcher vielleicht nicht alle von euch erfreuen wird. Denn die Sprache von Yakuza 6 – The Song of Life ist zwar dem Land entsprechend im Dialog japanisch, doch leider verzichtete Sega Europe für den deutschsprachigen Raum auf deutsche Bildschirmtexte. Das Spiel wird in Japanisch mit englischen Texten ausgeliefert. Gerade für die unter euch, die etwas größere Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, könnte das in Onomichi etwas problematisch werden. Denn dort wird, aufgrund des dort herrschenden Dialekts, auch der Untertitel etwas kompliziert. Ob Sega Europe irgendwann einen Patch mit deutschen Texten nachreichen wird, bleibt abzuwarten. Trotz der fehlenden deutschen Bildschirmtexte dürfte dies für Leute mit guten englischen Grundkenntnissen kein größeres Problem darstellen.


Trailer zu Yakuza 6 – The Song of Life (USK 18):


Allgemeine Daten:

81vDFi7biuL._SL1500_Entwickler: Studio Ryū ga Gotoku

Publisher: Sega Europe

Genre: Action-RPG

Plattform: PlayStation 4

Spieldauer: 60+ Stunden

Erscheinungsdatum: 17. April 2018

USK: 18

Sprache: Japanisch mit englischen Bildschirmtexten

 

Bilder: © Amazon.de, Sega Europe

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